Internetauftritt
ARD und ZDF kürzen Online-Angebote

Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten streichen ihr Onlineangebot zusammen. Weil der neue Rundfunkstaatsvertrag ihre Internetauftritte begrenzt, wollen die Intendanten künftig weniger Printinhalte anbieten und sich auf ihre "Kernkompetenz" konzentrieren: Bewegtbilder im Netz.

DÜSSELDORF. Der neue Rundfunkstaatsvertrag, der am 1. Juni in Kraft getreten ist, beschränkt den Internetauftritt von ARD und ZDF. Wie die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten gestern bekanntgaben, streichen sie ihre Internetangebote zusammen. Das ZDF will sein hauseigenes Onlineangebot um 70 Prozent kürzen, wie der Sender dem Handelsblatt sagte. In Einzelfällen, wie etwa beim Informationsportal heute.de, seien es sogar 80 Prozent. Im Gegensatz zur Mainzer Anstalt nannte der ARD-Vorsitzende und SWR-Intendant Peter Boudgoust gestern keine Zahl für die Verringerung des Online-Angebots.

In der Vergangenheit haben die privaten Fernsehanbieter wie RTL oder Pro Sieben Sat 1 die Expansion von ARD und ZDF im Internet immer wieder scharf kritisiert. Als Reaktion wurde der Rundfunkstaatsvertrag von den 16 Bundesländern entsprechend novelliert. Die Magna Charta des öffentlich-rechtlichen Fernsehens verpflichtet die Sender zu einem „Drei-Stufen-Test“, der im Fall des ZDF jährlich 1,25 Mio. Euro kosten wird. Dort prüfen unabhängige Experten, ob das Onlineangebot von ARD und ZDF einen Beitrag zum publizistischen Wettbewerb liefert und sich der finanzielle Aufwand in einem vertretbaren Rahmen bewegt. Seit Monatsanfang dürfen nun die Beiträge in der Regel nur für eine Woche ins Internet gestellt werden. Bei Sportereignissen wie der Fußball-Bundesliga ist es sogar nur ein Tag.

Trotz der Beschränkungen können ARD und ZDF zufrieden sein. Denn der neue Rundfunkstaatsvertrag legitimiert zugleich ihre Expansion im Internet. „Mit dem neuen Staatsvertrag hat der Gesetzgeber erstmals ausdrücklich anerkannt, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk einen originären Auftrag für Telemedien innehat“, lobte gestern der ARD-Vorsitzende Boudgoust.

Das Internet wird künftig in der Strategie des öffentlich-rechtlichen Rundfunk eine Schlüsselrolle spielen. ZDF-Intendant Markus Schächter sagte: „Das Bewegtbild im Internet ist unsere Kernkompetenz. Dafür werden wir den Textanteil deutlich reduzieren und den Videoanteil in den Vordergrund rücken.“ Damit reagiert Schächter auch auf Kritik aus Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen. Deren Angebot zeichnet sich vor allem durch einen hohen Textanteil aus. Die Printhäuser befürchten durch das Online-Angebot von ARD und ZDF einen Wettbewerbsnachteil.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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