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Internetdienst: Google boxt Street View durch

Trotz aller Proteste geht der Internetkonzern mit seinem Foto-Stadtplan in Deutschland im November ans Netz. Zunächst werden die Straßenzüge der 20 größten deutschen Städte ins Internet gestellt - mit Millionen von Häuserfassaden. Werbetreibende sind begeistert, doch Datenschützer bleiben skeptisch.

Ein Kamerawagen von Google im Jahr 2009 unterwegs in Kiel. Quelle: dpa
Ein Kamerawagen von Google im Jahr 2009 unterwegs in Kiel. Quelle: dpa

DÜSSELDORF. Es ist das wohl derzeit umstrittenste Projekt des Werberiesen Google: "Street View". Die geplante lückenlose und detaillierte fotografische Abbildung ganzer Städte und Landstriche im Internet hatte in Deutschland zu heftigen Protesten geführt und Datenschützer auf den Plan gerufen. Zum Schluss mussten die Fahrten mit den Google-Kamerawagen sogar gestoppt werden. Doch die Fotoausbeute seit 2008 reicht, um voraussichtlich im November die Straßenzüge der 20 größten deutschen Städte fast vollständig ins Internet zu stellen. Das bestätigte Googles oberster deutscher Datenschutzmitarbeiter Per Meyerdierks am Montag gegenüber dem Handelsblatt. Für Ralf Kaumanns, Google-Experte bei der internationalen Beratungsfirma Accenture, ist das beharrliche Vorgehen der Kalifornier nur logisch: "Das Thema ist viel zu wichtig für Google, um es zu ignorieren. Die bauen da gerade ein gigantisches Betriebssystem für Geodaten auf."

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Denn Google Street View ist nur ein winziges Puzzlestückchen im Google-Geodaten-System. Es ist Teil von Google Maps, und das wiederum ist Basis des Google Navigationssystems für Android-Smartphones und der Routenplaner auf dem PC. Das wiederum ist verbunden mit Googles Fotodienst Panoramino, auf dem Hobbyfotografen ihre Aufnahmen einstellen. Alles wird verbunden durch dieselbe Positionsbestimmung nach Längen- und Breitengraden. "Wenn Sie das alles nehmen und mit den jüngsten Neuerwerbungen wie dem Reisebuchungssystem ITA kombinieren, erkennen Sie die Richtung: lokale Dienste auf allen Ebenen anbieten", erklärte Kaumanns. Auf Google Maps ruft der Nutzer eine Straßenkarte eines Zielorts auf. Per Menü kann er auswählen, ob er den einfachen Landkartenmodus, Satellitenbilder oder eben auch Street View haben will. Durch einfaches Ziehen mit der Maus dreht sich der Zuschauer dann sozusagen um seine eigene Achse und kann die Umgebung erkunden.

In der Verknüpfung liegt die Macht

In der Werbe- und Telekommunikationsbranche wird Google Street View mit großer Spannung erwartet. "Derzeit ist Street View für uns noch ein ungelegtes Ei. Wir beobachten aber seit langem ein steigendes Bedürfnis der Internetnutzer nach lokaler Information", sagte ein Sprecher des Informationsdienstleisters Telegate. Der Spezialist für die lokale Suche erwartet hohe Wachstumsraten. "Wir sind bei der Werbevermarktung für lokale Information noch ganz am Anfang", hieß es bei Telegate. Künftig werde der Kunde nicht mehr nach Adressen, sondern nach Firmen suchen. Die Bilder von Google könnten in diesem Zusammenhang eine wertvolle Ergänzung sein.

Serviceplan, die größte konzernunabhängige Werbeagentur in Deutschland, sieht ebenfalls eine exzellente Möglichkeit, Werbung lokalisierbar zu machen. "Internet wird von einem globalen zu einem lokalen Medium", sagte Florian Haller, Gesellschafter und Chef von Serviceplan, dem Handelsblatt. "Es entsteht ein großer Markt für Branchen wie beispielsweise Handel und Finanzwirtschaft. Endlich kann die Werbung lokalisiert werden." Der Werbemanager sieht in lokalisierter Werbung auf der Basis von Angeboten wie Street View einen wichtigen Wachstumsmarkt. "Marken begleiten den Kunden endlich in den realen Raum", sagte Haller.

Google unterstützt Werbetreibende, wo es nur geht, um seinen Dienst populär zu machen: "Unternehmen jeder Größenordnung dürfen Google Maps mit Street View kostenlos auf ihren Webseiten einbinden", erklärte Produktmanager Raphael Leisteritz von Google. Das ist allerdings auch nicht wirklich verwunderlich: Denn die Werbung auf den Karten oder hinter den Bildern verkauft immer Google. Ein Klick auf eine Pizzeria in einer Straße kann direkt die Bestellliste für den Lieferservice öffnen oder der Klick auf ein Reisebüro das Angebot an Last-Minute-Reisen.

  • 10.08.2010, 17:51 UhrAnonymer Benutzer: Werbeagentur

    Junge, junge - was für eine Aufregung um ein paar bilder. Auf Facebook und Co. gibt die Masse der User ihre Daten mehr als bereitwillig aus der Hand. Aktuell scheint die Stimmung gegen eine, meiner Meinung nach, tolle Company umzuschlagen. Letztendes ist hier glaube ich nicht die aktuelle Aktion "Streetview" sondern die schiere Größe des Konzerns die Ursache. Große Unternehmen machen Menschen Angst und Google tut PR-technisch nichts wirkungsvolles dagegen.

    Volker berlin
    Werbeagentur berlin

  • 10.08.2010, 12:20 UhrAnonymer Benutzer: Siggi40

    Sogar täglich nutze ich Street-View. Vor allem für die USA und Kanada. Ein Nationalpark am anderen, abertausende von Sehenswürdigkeiten, mit Street-View ergoogel ich mir so meine nächste Reise, bzw. evtl. sogar Wohnsitz. (Deutschland benötige ich nicht unbedingt).

    Doch für die fleißigen Steuerzahler nur zu empfehlen, um zu sehen, wo und wie die jährlichen 100 Milliarden Euro Solidarpaktmittel ausgegeben werden.

    Mit google earth kann man sich jetzt schon die unzähligen Villenviertel und Neubaugebiete in Leipzig und Dresden von oben anschauen, mit swimming-pool im Garten, eine Villa pompöser als die andere.

    Mit Street-View erspart man sich die Eintrittskarten zur nächsten Automobil-Messe. Eine Street-View Tour durch die Villenviertel von Leipzig oder Dresden erfüllt den selben Zweck. Die neuesten Modelle von AMG, M5, RS6, S8, R8 Cabrio usw. kann man sich dann wie auf der Messe heran zoomen und ganz genau sehen, wo und vor allem wie die Milliarden der Solidarpaktmittel ausgegeben werden.

    Street-View sei Dank, dass auch die bürgermeister im Westen sich anschauen können, wo ihre Kredite, die sie zur Finanzierung des Solidarpakts aufgenommen haben, geblieben sind.

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