Internetexperte Nico Lumma
„Schlechte Qualität wird entlarvt“

Nico Lumma machte sich als Blogger einen Namen, bevor er Anfang 2009 bei der Werbeagentur Scholz & Friends Direktor für soziale Medien wurde. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht der Internetexperte über die Chancen und Risiken des Social Web, selbsternannte Experten – und welche Firmen besonders schlau sind.
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Handelsblatt: Wer muss bei Facebook sein?

Nico Lumma: Facebook sollten alle Werbetreibenden einsetzen, die ihre Zielgruppe digital erreichen wollen. Die Interaktion der Nutzer erhöht die Reichweite der Marken weit über eine normale Online-Präsenz hinaus. Produkte von schlechter Qualität werden dort jedoch schnell entlarvt. Auch für Unternehmen, die auf kritisches Feedback und Dialog keinen Wert legen, eignet sich Facebook nicht. Apple zum Beispiel ist sehr verschlossen.

Müssen Firmen nicht unberechenbare Kritik-Stürme aus der überkritischen Netzgemeinde fürchten?

Neue Auftritte werden zu Beginn oft argwöhnisch beäugt, ob Unternehmen ihr Engagement auch ernst nehmen. Zuerst kommen selbsternannte "Social-Media-Berater" und "-Experten" mit überzogenen, selbstdefinierten Ansprüchen. Ich bin skeptisch, wenn das große Sau-Durchs-Dorf-Treiben anfängt. Diese Kritik schwächt sich aber meist schnell ab, denn normale Nutzer interessiert das wenig.

Welche Risiken gibt es außerdem?

Wenn man es als Gefahr ansieht, dass Leute ihre Meinung sagen, dann ist das ein Risiko. Aber darauf können Unternehmen reagieren: auf die Kritik eingehen, Lösungen suchen, Schmäh-Beiträge dagegen abblocken.

Wer agiert vorbildlich?

Marken mit lockerer, lässiger Herangehensweise. Starbucks macht das sehr gut, auch Adidas zur Fußball-WM.

Welche Rolle spielen deutsche Facebook-Konkurrenten wie die VZ-Netze und Wer-kennt-wen?

Das hängt davon ab, wen Sie erreichen wollen. Wirklich geeignet für Marken sind eigentlich nur die VZ-Netze, auf denen eine sehr junge Zielgruppe unterwegs ist, und auf denen Firmen sogenannte Edelprofile einrichten können. Ich empfehle meinen Kunden generell, ihre Budgets auf Facebook zu beschränken, wo viele Nutzer anzutreffen sind, sowie den Kurznachrichtendienst Twitter, den viele Multiplikatoren nutzen. Die Auswahl der geeigneten Social Networks hängt primär von den Zielen und den zu erreichenden Zielgruppen ab.

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