Internetkiosk
Springer-Verlag greift Apple an

Der Berliner Medienkonzern öffnet seine digitale Verkaufsplattform für andere Verlage und macht damit dem US-Konzern Konkurrenz.
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DüsseldorfEuropas größter Zeitungskonzern Axel Springer („Bild“, „Welt“) greift Apple mit einer Expansion des iKiosks an. Der Berliner Medienriese will seine digitale Verkaufsplattform für Zeitschriften und Zeitungen nun auch für Konkurrenten öffnen. „Voraussichtlich im Spätsommer werden wir den iKiosk auch für andere Verlage und deren Angebote öffnen“, sagte Georg Konjovic, Direktor Premium Content der Axel Springer AG, dem Handelsblatt (Mittwochsausgabe). „Davon versprechen wir uns einen zusätzlichen Schub.“

Der Zeitungskonzern verhandelt mit Mitbewerbern über einen Einstieg. „Wir führen aktuell Gespräche mit anderen Verlagen über eine Integration in den iKiosk. Die Verhandlungen verlaufen sehr konstruktiv“, sagt Konjovic, der seit Jahresanfang für die Etablierung kostenpflichtiger Inhalte im Internet und auf mobilen Endgeräten wie dem Minicomputer iPad oder Smartphones zuständig ist. Offenbar rennt Springer mit seiner Kehrtwende offene Türen ein: Der Medienkonzern Burda („Focus“, „Bunte“) spricht von einer „interessanten Initiative“. „Wir werden uns das ansehen“, sagte ein Unternehmenssprecher in München.

Mit seiner Initiative attackiert Springer den Computerhersteller Apple. Springer will in Deutschland mit der Expansion von elektronischen Zeitungs- und Zeitschriftenausgaben indirekt die Apple-Verkaufsplattform iTunes schwächen. „Es ist für die Verlagsbranche wichtig, frühzeitig auch Vertriebswege außerhalb der Apple-Welt zu entwickeln und zu monetarisieren“, sagt Konjovic. Springer-Chef Mathias Döpfner ist Apple neuerdings ein Dorn im Auge. Der Vertraute von Springer-Eignerin Friede Springer ärgert sich über die 30-prozentige Provision für jede App einer Zeitung oder Zeitschrift, die über Apples verkauft wird.

Der iKiosk wird in dieser Konfliktsituation zur Waffe, die Dominanz von Apple in Deutschland zu brechen. Bislang spielt die Online-Verkaufsplattform allerdings nur eine bescheidene Nebenrolle. Springer bietet derzeit lediglich 30 hauseigene Titel an. Zuletzt hatte Springer die konzerneigenen Zeitschriften „Rolling Stone“, „Musikexpress“ und „Metal Hammer“ als kostenpflichtige Digitalangebote über den iKiosk verfügbar gemacht.

Die Konkurrenten will der Berliner Marktführer nun mit einer deutlich niedrigeren Provision locken. „Wir werden von den Verlagen eine Transaktionsgebühr für die Integration in den iKiosk verlangen, die jedoch weit unter den Apple-Gebühren liegt“, kündigte Konjovic an. Laut Unternehmensinsidern soll sie sehr deutlich unter 30 Prozent liegen. Auch Konkurrenten wie die Deutsche Telekom und Bertelsmann beackern den wachsenden Markt mit eigenen Verkaufsplattformen wie „Pageplace“ und „Pubbles“.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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