Internetkonzerne
Google kauft finnische Papierfabrik

Einer der größten Papierkonzerne der Welt verkauft eine Fabrik. Das ist an sich nicht berichtenswert. Außer, wenn der Käufer Google heißt. Da drängt sich schon dir Frage auf, was ein Internetkonzern damit anfangen will.

STOCKHOLM. Papier ist geduldig, sagt man. Aber jede Geduld ist irgendwann einmal vorbei. Das haben die großen Papierkonzerne in Nordeuropa, Kanada und selbst in Asien in den vergangenen Monaten demonstriert und ihre Produktionskapazitäten wegen drastisch gesunkener Nachfrage nach Papier heruntergefahren. Konjunktureinbruch, Rezession, Finanzkrise: Wo kein Geld ist, hat auch Papier keinen Platz.

Aber Not macht auch erfinderisch: Einer der größten Papierkonzerne der Welt, Stora Enso aus Finnland, überraschte am Donnerstag mit einer Nachricht, dass er seine erst im Januar dieses Jahres stillgelegte Papierfabrik im finnischen Hamina verkauft habe.

An und für sich keine weltbewegende Sache, doch der Name des Käufers lässt aufhorchen: Es ist der Internetriese Google, der das gesamte Fabrikgelände von stolzen 160 Hektar für 40 Mio. Euro erwirbt. Kehrt Google dem digitalen Zeitalter den Rücken und will künftig nur noch Flugblätter verteilen?

Nein, sagt Petri Kokko, Finnland-Chef des Suchmotoren-Marktführers und klärt auf: Es solle dort ein neues Daten-Zentrum entstehen. Die Zentrale für die Google-Server in Hamina ist das dritte seiner Art in Europa: Im belgischen St. Ghislan arbeiten die Server bereits, im österreichischen Kronsdorf wird demnächst mit dem Bau einer Server-Zentrale begonnen.

Die Lage in Hamina kommt Google entgegen: Die alte Papiermühle liegt direkt an der Ostsee, ausreichend Kühlwasser für heißgelaufene Drähte steht also zur Verfügung. Und die nur 40 Kilometer entfernte russische Grenze macht den kleinen finnischen Ort noch attraktiver: Denn im Cyberspace zählt Geschwindigkeit und die steigt bekanntlich mit kürzeren Kabellängen. Die Bits und Bytes nach St. Petersburg mit seinen rund sieben Mio. Einwohnern müssen nur 240 Kilometer zurücklegen.

Geschmack bewies der Internet-Gigant bei der Standortwahl auch noch: Der älteste Teil der Papierfabrik wurde von dem weltberühmten finnischen Architekten und Designer Alvar Aalto entworfen.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%