Internetportal
Burda betreibt Huffington Post auf Sparflamme

Der Internetkonzern Tomorrow Focus nimmt für die deutsche Ausgabe der Online-Gratiszeitung nur wenig Geld in die Hand. „Focus Online“ greift der „Huffington Post“ unter die Arme. Die Verleger bleiben skeptisch.
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DüsseldorfDie deutsche Ausgabe der Online-Gratiszeitung „Huffington Post“ wird im Herbst bescheiden starten. Der börsennotierte Internetkonzern Tomorrow Focus (Holidaycheck, Elitepartner) will das Internetportal nur wenig Geld ausgeben. „Wir werden in den nächsten drei Jahren rund drei Millionen Euro in die deutsche Ausgabe der Huffington Post investieren“, sage Toon Bouten, Vorstandschef von Tomorrow Focus, dem Handelsblatt.

Die Gründerin Arianna Huffington hält sich aus der deutschen Ausgabe weitgehend heraus. „Für das operative Geschäft in Deutschland spielt Frau Huffington keine Rolle“, sagte Bouten. „Wir sind der Lizenznehmer. Frau Huffington oder AOL werden bei den redaktionellen Inhalten keinen Einfluss nehmen.“

Der Internetkonzern Tomorrow Focus, eine Tochter des Medienkonzerns Burda („Focus“, „Bunte“), hat mit der „Huffington Post“ ehrgeizige Ziele. „Wir werden die Gewinnzone in eineinhalb Jahren erreichen“, verspricht Bouten seinem Mehrheitsaktionär Burda. Zu Beginn setzt die Gratiszeitung im Netz auf die Unterstützung der Onlinekollegen des Nachrichtenmagazin „Focus“. „Focus Online wird an vielen Stellen zur Huffington Post verlinken und so für den notwendigen Anschub sorgen“, sagt Bouten.

Der deutschen Ausgabe der „Huffington Post“ schlägt seit Wochen viel Skepsis und Ablehnung entgegen. „Das Projekt sei vergleichbar mit dem Start einer Gratiszeitung und damit ein Angriff auf alle Versuche von Verlagen, Bezahlmodelle für digitale publizistische Angebote zu entwickeln“, sagte Jan Bayer, Vize-Präsident des Zeitungsverlegerverbandes BDZV und Technik-Vorstand des Medienkonzerns Axel Springer („Bild“, „Welt“) vor wenigen Tagen.

Die „Huffington Post“ setzt im Gegensatz zu professionellen Informationsportalen weitgehend auf kostenlose Blogeinträge und Verlinkungen zu anderen Blättern. Die Heerscharen von Mitarbeitern, die für geringe Honorare oder umsonst Inhalte liefern, haben Arianna Huffington, Amerikanerin griechischer Herkunft, zur Multimillionärin gemacht: Sie verkaufte ihre Internetseite vor über zwei Jahren für 315 Millionen Dollar an AOL.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

Kommentare zu " Internetportal: Burda betreibt Huffington Post auf Sparflamme"

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  • Wenn die Macher mutig genug sind und auch in sachlicher Form politische und gesellschaftspolitische Themen zulassen kann ich mir sehr wohl eine lebendige, damit erfolgreiche deutsche Ausgabe der Huffington Post vorstellen. Es gibt nämlich kein Sprachrohr der Bevölkerung und wir haben viele ausgezeichnete Blogger.

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