Internettelefonie setzt etablierte Anbieter unter Druck
Festnetzbetreiber hoffen auf neue Datendienste

Herkömmliche Telefongespräche werden mittelfristig nur noch einen kleineren Teil des Umsatzes der Telekomkonzerne ausmachen. Stattdessen setzen führende Anbieter europaweit auf breitbandige Anschlüsse und neue Datendienste, mit denen Kunden zielgruppengenau angesprochen werden können. Diese Erwartungen äußerten Firmenchefs und Branchenexperten auf der Handelsblatt- Jahrestagung „Telekommarkt Europa“ in Bonn.

BONN. Festnetzbetreiber wie die Hamburger Hansenet oder die Düsseldorfer Vodafone-Tochter Arcor stehen unter Druck: Zum einen sinken die Preise im Geschäft mit schnellen Internetzugängen kräftig, zum anderen steigt die Konkurrenz durch Telefonie über das Internet (Voice over IP). Die Anbieter werden sich zudem immer mehr Konkurrenzangeboten durch die Kombination von Handy- und Festnetztelefonie gegenübersehen.

Hansenet-Chef Harald Rösch erwartet bereits für das nächste Jahr den Durchbruch für derartige Konvergenz-Produkte, bei denen beispielsweise nur noch ein Handy zu einem einheitlichen Preis für daheim und unterwegs genutzt wird. Arcor-Chef Harald Stöber sieht dies ähnlich: „Die klassische Aufteilung zwischen Festnetz und Mobilfunk wird es in etwa zehn Jahren nicht mehr geben.“ Er setzt auf qualitativ hochwertige Angebote für Telefongespräche und breitbandiges Internet – allerdings sei dies nur mit einem fairen Preis für die Letzte Meile zu realisieren.

Andy Green, Global-Services-Chef beim britischen Ex-Monopolisten BT, sieht das Zusammenwachsen von Telefonie und Internet als sehr ernste Bedrohung für die bestehenden Geschäftsmodelle der Netzbetreiber. Denn zahlreiche Spezialisten für konvergente Sprach- und Datendienste drängen auf den Markt. BT tritt ihnen mit hohen Investitionen entgegen: Die Briten stecken in den kommenden fünf Jahren bis zu zehn Mrd. Pfund (14,6 Mrd. Euro) in ihr so genanntes 21st Century Network. Damit sollen bei Kunden die bisherigen Telekom-Dienste vollständig auf eine Plattform übertragen werden, die auf dem Internet-Protokoll (IP) basiert. Auf eine solche Umstellung müssten sich immer mehr Kunden einstellen.

Die etablierten Telekom-Unternehmen müssen nach Ansicht von Branchenexperten vor allem ihr Tempo bei der Entwicklung neuer Produkte vorantreiben, um in dem veränderten Wettbewerb bestehen zu können. „In diesen Zeiten haben die etablierten Anbieter nur eine Chance, wenn sie über eine ausgeprägte Innovationskultur verfügen und ihre Kunden mit neuen, Nutzen stiftenden Ideen begeistern können“, sagt Thomas Götz, Managing Partner der Unternehmensberatung Detecon International.

Beispiel KPN aus den Niederlanden: In Absprache mit dem Regulierer bietet das Unternehmen Kunden neuerdings ein Gesamtpaket aus Breitband und Telefongesprächen ohne Grundgebühr an. Der Kunde zahlt entsprechend der Übertragungskapazität seines Internet-Zuganges plus einem Minutenpaket für die Telefongespräche. „ KPN hat damit den Durchschnittsumsatz pro Nutzer ins Zentrum seiner Festnetz-Strategie gestellt“, erläutert Dan Bieler, Research Director von Ovum in Deutschland, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Auch hier sei die technische Basis für das Angebot das IP-Netz und Telefonie im Internet (Voce over IP).

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