Internetunternehmen
Schnäppchenriese Groupon wagt riskantes Börsenspiel

Das Internet-Schäppchenportal Groupon wagt den Gang an die Börse. Groupon lockt mit einer Blockbuster-Story, aber Experten sind skeptisch. Der Internet-Star hat Tücken.
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San FranciscoSoziale Netzwerke feiern derzeit riesige Erfolge am Aktienmarkt. Fast schon folgerichtig sucht nun auch das Schnäppchenportal Groupon sein Glück in einem Börsengang. Am Donnerstag hat Groupon einen Antrag auf Börsennotierung  gestellt. Forrester Analystin Sucharita Mulpuru warnt aber eindringlich vor den Risiken, die sich mit dem Geschäftsmodell von Groupon verbinden.

Morgan Stanley,  Goldman Sachs und Credit Suisse sind die  Führungsbanken bei dem Börsengang des  Netzwerks, das seinen  Kunden hohe Rabatte auf ständig wechselnde  Angebote verspricht, wenn  sich genügend Käufer zusammenfinden. Groupon mit  Firmensitz in Chicago wurde 2008 gegründet und  soll vergangenes Jahr ein  Übernahmeangebot von Google in Höhe von  sechs Milliarden Dollar ausgeschlagen  haben. Angaben zum Aktienpreis der Emission werden nicht  gemacht. Laut Wall Street  Journal gehen mit dem Börsengang vertraute Kreise  davon aus, dass rund  eine Milliarde Dollar erlöst werden soll, bei einer  Gesamtbewertung des  Unternehmens von gut 20 Milliarden Dollar. Andere Quellen sprechen von 750 Millionen Dollar Emissionserlös als Zielgröße.

Nach Angaben  des  Börsenprospekts meldet Groupon für das erste Quartal 2011 einen Umsatz von  644,7 Millionen Dollar und einen Nettoverlust von 146 Millionen  Dollar.

Für das gesamte Jahr 2010 wird der Umsatz mit 713 Millionen Dollar genannt, der Nettoverlust mit 456 Millionen Dollar. „Da wurde eine ganze Menge Geld ausgegeben, um den Umsatz darzustellen. Das sieht fast so aus, als ob sich jemand schnell eine Blockbuster-Story kaufen wollte“, so Analystin Mulpuru, fügt aber hinzu:. „Solange das Geschäft dabei allerdings der Cashflow positiv bleibt, sehe ich noch keine Probleme.“ Im Geschäftsjahr 2010 lag der freie Cashflow bei 72,2 Mill. Dollar, im ersten Quartal 2011 nur noch bei 6,9 Millionen Dollar.

Mit einer spürbaren Verbesserung beim Ertrag oder gar einem Gewinn in absehbarer Zeit dürfen Anleger kaum rechnen. Im Börsenprospekt heißt es: „Wir haben seit Beginn Nettoverluste erwirtschaftet und erwarten auch in absehbarer Zukunft einen signifikanten Anstieg der operativen Ausgaben.“ Groupon-CEO Andrew Mason will „aggressiv in Wachstum investieren“.  Denn er sieht sich scharfer Konkurrenz durch Gegner wie www.livingsocial.com und anderer Start ups gegenüber. Dazu kommen die Web-Boliden: „Facebook, Google und Microsoft haben bereits Dienste gestartet, die eine direkte Konkurrenz für uns darstellen“, sagt der Prospekt. Harte Gegner bleiben etablierte Werbeformate wie lokale Anzeigenportale oder Anzeigenblätter sowie Tageszeitungen und Direktwerbung.

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  • Nicht erwähnt wird leider das windige Geschäftsmodell, mit dem neue Kunden geködert werden: sie werden gekauft.
    Pro neugeworbenem Kunden zahlt Groupon in Deutschland €6 Fangprämie - auch wenn der neue Kunde nur für €5 einkauft.


    Manchmal geht es noch extremer - so erst bei einer aggressiv beworbenen Aktion in der letzten Woche, als neben der Kopfprämie von €6 noch ein €5 Douglas-Gutschein verschenkt wurde - alleine dafür, dass der neue Kunde €1 investierte.

    So kauft Groupon für €11 einen Kunden, der für €1 einkauft.

    Lassen sich die 456 Mio Dollar bei 713 Mio Umsatz auf diese Weise nicht leicht erklären?

    Ein Großteil der Groupon-Kunden sind nur Dateileichen, die - einmal geworben - niemals mehr dort einkaufen ... und eine Kündigung des Kundenkontos ist bei Groupon aus durchsichtigen Gründen nicht vorgesehen.


    Es ging Groupon vielleicht nicht wirklich um ein funktionierendes Geschäftsmodell, sondern zunächst um ein Hochtreiben der 'Kunden'zahl für den geplanten Börsengang.

  • "Die Kontaktbörse LinkedIn war am ersten Tag SEINER Börsenkarriere um fast 100 Prozent im Kurs gestiegen."
    Kurze Frage: Wer ist er oder es? Um die Börsenkarriere von LinkedIn kann es ja, grammatisch betrachtet, nicht gehen.

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