Internetunternehmen
Wie Ebay & Co. dem Fiskus ein Schnippchen schlagen

Ebay, Google, Tipp24 - viele Internet-Unternehmen betreiben ihr Deutschlandgeschäft inzwischen aus dem Ausland. Das spart Steuern und schützt vor Ärger mit Strafverfolgungsbehörden. Länder wie Luxemburg und Großbritannien locken die Web-Firmen mit laxeren Gesetzen.

Die für Deutschland zuständigen Mitarbeiter des Apple-Ablegers iTunes sitzen mittendrin: Auf der gegenüberliegenden Straßenseite des digitalen Musikladens steht das Hauptquartier des Stahlriesen ArcelorMittal, um die Ecke eine Niederlassung der Privatbank Hauck & Aufhäuser, und in zwei Gehminuten ist man dem städtischen Rummel ins Petruss-Tal entflohen, das sich wie eine grüne Oase durch die Stadt Luxemburg zieht.Die traumhafte Lage allerdings ist nicht der Grund, warum sich iTunes Deutschland fernab der Bundesrepublik angesiedelt hat: In Luxemburg zahlen Unternehmen nur 15 Prozent Mehrwertsteuer, den niedrigsten Satz in der EU.

Der Musikhändler ist eines von vielen Internet-Unternehmen, die ihre deutschen Kunden vom Ausland aus bedienen. Niedrige Steuern sind nicht das einzige Argument für die Republikflucht und Luxemburg nicht das einzige Asylland für die Branche: Auch Irland bietet niedrige Steuern, in Großbritannien locken laxe Glücksspiel-, Jugendschutz- und Datenschutzgesetze. "Steuern, Datenschutz, Jugendschutz - die deutsche Politik berücksichtigt nicht, dass das Internet keine Staatsgrenzen hat", klagt Ivo Ivanov vom Verband der deutschen Internetwirtschaft (Eco).

Anders als bei Industrieunternehmen, für die kurze Transportwege Kostenvorteile bedeuten, spielt es für virtuelle Dienstleister keine Rolle, wo sie ihren Standort haben. Via Datenautobahn lassen sich Musik, Filme oder andere Dienste in Sekundenbruchteilen zum Kunden bringen.

Der Suchriese Google hat seine Europazentrale in Irland eingerichtet. "Vorrangig aus Steuergründen", vermutet der frühere Yahoo - und Google-Manager Rob Jonas, der heute das Europageschäft des weltweit zweitgrößten Handy-Werbers Inmobi leitet. So sind die Unternehmenssteuern auf der Grünen Insel halb so hoch wie hierzulande. Auch Microsoft nutzt das: 2009 baute der Konzern für 500 Millionen Dollar einen Serverpark in Dublin.

Vorbei am deutschen Fiskus

Aus Luxemburg heraus betreuen heute neben iTunes auch der Online-Auktionator Ebay, das Internet-Kaufhaus Amazon und der Web-Telefondienst Skype ihre Kundschaft in Deutschland und anderen EU-Staaten. Die Differenz zwischen der niedrigen Mehrwertsteuer in Luxemburg und dem Satz im Land der Nutzer streichen sie als Zusatzgewinn ein. Bei deutschen Kunden sind das vier Prozent vom Verkaufspreis, bei Schweden sogar zehn Prozent.

Dem deutschen Fiskus gehen so allein bei Apples Musikdownloads schätzungsweise acht Millionen Euro durch die Lappen. Zusammen mit der Mehrwertsteuer der anderen in Luxemburg ansässigen Web-Firmen dürfte sich der Ausfall auf einen dreistelligen Millionenbetrag pro Jahr addieren. Die EU will darum das Steuerschlupfloch zum 1. Januar 2015 stopfen. Dann müssen Firmen Web-Dienstleistungen im Land des Kunden versteuern.

Seite 1:

Wie Ebay & Co. dem Fiskus ein Schnippchen schlagen

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%