Internetzugänge: Kampf auf den letzten Metern

Internetzugänge
Kampf auf den letzten Metern

Wenn Auf- und Abfahrten zu eng sind, nützt die schnellste Autobahn nichts, auch nicht im Internet. Seit kurzem tobt dort der Wettstreit, wer die Häuser an die Leitungen anschließt, so heftig wie niemals zuvor. Zum Vorteil der Nutzer: Der bekommt breite Auffahrten zur Datenautobahn – und muss dafür nicht einmal mehr bezahlen.
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FRANKFURT/DÜSSELDORF. Ralph Dommermuth hat die Rachegelüste eines Managers, der jahrelang von einem Konkurrenten gegängelt wurde: „Meine Vision ist es“, sagt der Gründer und Chef des Internetanbieters United Internet, „dass eines Tages die Deutsche Telekom bei uns und anderen anklopfen muss, um über gemeinsame Geschäfte zu sprechen.“ Er kann dabei ein Grinsen nicht unterdrücken.

Bisher müssen die Internetanbieter für jeden ihrer Kunden die Leitungen des Ex–Monopolisten nutzen – nur der hat auf der letzten Meile zwischen Schaltkasten auf der Straße und dem Wohnzimmer Leitungen gelegt. Die Telekom profitiert von dieser Abhängigkeit: 10, 20 Euro pro Monat und Anschluss verlangt sie für den Datentransfer über die Hausschwelle.

Das ist viel Geld, zumal die Kabel der Telekom bisher ausschließlich aus Kupfer sind – und folglich langsam. Sie sind der Flaschenhals jeder Internetverbindung. Viel schneller sind Glasfaserkabel – doch die Vernetzung der Republik mit den modernen Leitungen kostet bis zu 50 Mrd. Euro, und das ist selbst der Telekom zu teuer. Deshalb könnte Dommermuths Vision schon bald Wirklichkeit werden.

Regionale Glasfasernetze gibt es schon, beispielsweise von dem Anbieter HL Komm in Leipzig. Und bundesweite Infrastrukturen gibt es ebenfalls – beispielsweise vom Telekom-Rivalen QSC. Der aber hat nun ein Drehkreuz geschaffen, das die kleineren Anbieter der schnellen Leitungen mit Nachfragern wie United Internet zusammenbringen soll. United Internet könnte damit Kunden in Leipzig einen viel schnelleren Internet-Anschluss offerieren, als die Telekom ihn bietet.

Der Service ist selbst für den Branchenprimus interessant. Oder ist der Telekom die Gefahr, von anderen abgehängt zu werden, zu groß? „Wir reden mit QSC“, sagt ein Sprecher des Bonner Konzerns. Und dann kommt der Satz, den Dommermuth gerne hört: „Es ist absehbar, dass wir künftig selbst Kapazitäten bei anderen nachfragen werden.“ So ersparen sich die Bonner den teuren Ausbau, können aber trotzdem schnelle Leitungen anbieten.

Das Internet hat somit eines der letzten Quasi-Monopole gebrochen: Die Zeiten, in denen die Auf- und Abfahrten zum Web fest in einer Hand waren, sind passé. „In der Netz-Infrastruktur werden die Karten neu gemischt“, sagt Markus Beckmann, Experte für Telekommunikationsnetze bei der Beratungsgesellschaft Accenture. Der Wettbewerb ist zum Vorteil der Kunden: „Die Preise werden tendenziell nach unten gehen, schlimmstenfalls stabil bleiben“, vermutet Beckmann.

Das hören die Telekom-Konzerne nicht gerne. Sie würden die lästige Flatrate, die unabhängig vom Datenvolumen für jeden Kunden das Gleiche kostet, am liebsten abschaffen und durch variable Tarife ersetzen: Wer viel surft, zahlt viel. So, wie es in den jungen Tagen des Internets schon einmal war.

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  • „bisher müssen die internetanbieter für jeden ihrer Kunden die Leitungen des Ex–Monopolisten nutzen – nur der hat auf der letzten Meile zwischen Schaltkasten auf der Straße und dem Wohnzimmer Leitungen gelegt.“

    Die Firmen können doch selbst Kabel verlegen, warum tun sie es nicht.

    „Die Telekom profitiert von dieser Abhängigkeit: 10, 20 Euro pro Monat und Anschluss verlangt sie für den Datentransfer über die Hausschwelle.“

    Sie handelt sich über die Verträge auch gleichzeitig eine Störungsbereitschaft für Großkunden auf, denn nicht der Kunde des Anbieters meldet eine Störung bei der T, sondern der Anbieter. innerhalb einer bestimmten, sehr kurzen, Frist ist dieser Anschluß dann zu entstören, selbst dann, wenn der betroffene eine Entstörung am selben Tag nicht verlangt. Das bedeutet einen hohen Personal- und Kostenaufwand für den Netzbetreiber.

    „Das ist viel Geld, zumal die Kabel der Telekom bisher ausschließlich aus Kupfer sind – und folglich langsam.“

    DSL in der derzeitigen Technik funktioniert nur über Kupfer, auch das in verschiedenen Städten angebotene Hochgeschwindigkeits-DSL ab dem Übergabepunkt Glas/Cu.

    „Zudem will die EU-Kommission, dass der Zugang etwa zum Glasfasernetz künftig von Aufsichtsbehörden wie der Netzagentur geregelt wird.“

    Das wird dazu führen, daß kein Anbieter mehr in die infrastruktur investiert, weil er annehmen darf, daß die Netzagentur ihm vorschreibt, wieviel Geld er für die Nutzung von anderen Anbietern nehmen darf.

    „Doch nun kommen die Kabler wieder – denn auch ihre Leitungen eignen sich für schnelle internet-Zugänge. Und sie sind günstig: Die Kabelkonzerne kostet die Aufrüstung ihrer Leitungen gerade mal zwischen 400 und 450 Euro – neue Glasfaserkabel dagegen verschlingen allein auf der letzten Meile einige Tausend.“

    Die 3 angeführten Kabelnetzbetreiber bieten nur in ihren Netzen an und die sind nur in städtischer bebauung zu finden, auf dem Dorf jedenfalls nicht. Diese Netze sind auf hohe bandbreiten (Fernsehen) abgestellt, die Netze der T nicht, sie wurden für den impulsgesteuertenTelefondienst gebaut.

    @ Denkerist

    „Was fehlt sind öffentliche Kabelnetzte, auf die die verschiedenen Anbieter gleichberechtigt zugreifen können...“

    Das hatten wir einmal, es kommt nicht wieder. Sollten Politiker auf die idee kommen ein öffentliches Netz betreiben zu wollen, kann dies nur die Netzagentur sein. Sie müßte dann auch einen infrastrukturauftrag erhalten, so, wie ihn jetzt die T, allerdings hat die ihn nur für den Sprachdienst, hat.

    „und z.b. ein Recht auf schnellen internet wie z.b. in versch. skandinavischen Ländern.“

    Leider steht dort nicht, wie dies umgesetzt wird oder werden soll und wer dieses „Recht auf“ bezahlt.

  • So ein schlechter Artikel.

    Durch die Liberalisierung des Telekommunikationsmarktes besteht für keinen Anbieter die Pflicht anzuschließen. Das Ergebnis: Es werden nur die Rosinen herausgepickt, die großen Städte versorgt.
    Mit Fördermitteln wurden im Osten nach der Wende Glasfaserkabel verlegt, diese werden nun teilweise wieder gegen Kupferkabel getauscht, da die Glasfaserkabel (Opal-Netze) nicht angeschlossen werden können - wieder mit Fördermitteln, versteht sich.
    Wo dies nicht gemacht wird, werden Unmassen von Funkmasten aufgestellt, um den Nutzer sogenannte Funk-Flatrates anzubieten, die aber im Funkbereich keine sind - es gibt 5-30 Gb pro Monat für 30-70€. Ein langer Filmabend über internet wirds also nicht werden.

    Also keine Spur von richtigem internet, sondern Gewinne machen auf Kosten der ländlichen Regionen in Ost und West.

    Was fehlt sind öffentliche Kabelnetzte, auf die die verschiedenen Anbieter gleichberechtigt zugreifen können und z.b. ein Recht auf schnellen internet wie z.b. in versch. skandinavischen Ländern.

    Wer sich mehr dafür interessiert: www.geteilt.de

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