Intershop
Aktionäre legen ihren Streit bei

Waffenstillstand in Jena: Die Hauptversammlung des Softwareherstellers Intershop hat zu einem Kompromiss im Machtkampf um den einstigen Star der New Economy geführt. Der US-Großaktionär GSI verzichtete darauf, alle drei Aufsichtsratsmandate mit eigenen Leuten zu besetzen.
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DÜSSELDORF. Waffenstillstand in Jena: Die außerordentliche Hauptversammlung des Softwareherstellers Intershop hat zu einem Kompromiss im Machtkampf um den einstigen Star der New Economy geführt. Der US-Großaktionär GSI verzichtete auf sein Vorhaben, alle drei Aufsichtsratsmandate mit eigenen Leuten zu besetzen. Der Übergangs-Aufsichtsratschef Herbert May bleibt im Kontrollgremium, in das zudem GSI-Finanzchef Michael Conn einzieht.

Im Gegenzug nahm eine Initiative von Kleinaktionären ihren Antrag auf Sonderprüfung zurück. Sie wollte feststellen lassen, ob Intershop von GSI beherrscht wird. Die Aktionäre blockierten zudem Kapitalmaßnahmen, von denen sie eine Verwässerung ihrer Anteile befürchten. Mit 50,6 Prozent des stimmberechtigten Aktienkapitals war die Versammlung außergewöhnlich stark besucht.

Hintergrund des heftigen Machtkampfs ist der Einstieg des US-Konkurrenten GSI bei Intershop im Frühjahr. Inzwischen hält GSI 27 Prozent des zersplitterten Aktienkapitals. Der strategische Investor integriert die Software aus Jena in seine eigenen Angebote und soll den Absatz in den USA voranbringen. Intershop produziert Programme für Onlineshops.

Der ehemalige Aufsichtsratschef Bernhard Wöbker hatte GSI beschuldigt, ihn zum Rücktritt gedrängt zu haben. Zudem habe GSI-Chef Mike Rubin "volle Kontrolle" über das Unternehmen verlangt, sowie Veränderungen im Vorstand und zusätzliche Investitionen in die Produktentwicklung.

"Faire Partnerschaft möglich"

Auf Wöbkers Rücktritt folgte ein Streit um die Neubesetzung des Aufsichtsrats. Der Vorschlag von GSI wäre darauf hinausgelaufen, dass der Aufsichtsrat allein aus drei GSI-Vertretern formiert worden wäre. Dagegen wehrte sich die Aktionärsinitiative, die trotz Stimmrechtsüberschreibungen von Kleinaktionären in Höhe von 15 Prozent auf der Versammlung in der Minderheit gegenüber GSI blieb und deshalb bereits im Vorfeld den nun erzielten Kompromiss aushandelte.

"Wir haben jetzt jemanden im Aufsichtsrat, der darauf achtet, dass die Zusammenarbeit zwischen GSI und Intershop so aussieht, wie sie aktienrechtlich vorgeschrieben ist", sagte der Sprecher der Initiative, Roland Klaus. Herbert May müsse darauf achten, dass bei Bedarf ein Abhängigkeitsbericht erstellt werde, der die Rechte der Kleinaktionäre sichere. "Wir glauben, dass jetzt eine faire Partnerschaft möglich ist", sagte Klaus.

May ist ehemaliges Vorstandsmitglied der Deutschen Telekom. Er hatte im Vorfeld des außerordentlichen Aktionärstreffen einen fairen Ausgleich zwischen GSI und Intershop angemahnt.

In den Vorstand von Intershop könne bald ein neuer, externer Finanzchef einziehen, hieß es im Umfeld des Versammlung. Er könnte möglicherweise Peter Mark Droste ersetzen, dessen Vertrag ausläuft.

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