Interview: Craig Barrett
„Regulierung bringt mehr Schaden als Nutzen“

Der Chef von Intel zu den Chancen der Chipproduktion in Deutschland und zu den Tücken der geplanten Urheberrechtsabgabe.

Haben Sie eigentlich Angst um das Image von Intel in Deutschland?

Barrett: Warum?

Wegen der Hängepartie um das geplante, aber immer noch nicht gebaute Chipwerk in Frankfurt/Oder musste Intel sich mächtig Kritik anhören.

Barrett: Die Kritik, Intel hätte bislang als einziger Partner von dem Projekt auf Grund von Technologietransfer profitiert, ist völlig unberechtigt. Richtig ist: Wir haben sowohl unsere Technologie zur Verfügung gestellt als auch unser Geld einbezahlt. Jetzt müssen andere ihre Aufgaben erfüllen.

Was fehlt, ist unter anderem eine Staatsbürgschaft über 650 Mill. Euro. Haben Sie mit Bundeskanzler Gerhard Schröder darüber gesprochen?

Barrett: Über den Inhalt solcher Vier-Augen-Gespräche spreche ich nicht in der Öffentlichkeit.

Anders gefragt – glauben Sie noch an den Bau der Chipfabrik?

Barrett: Je länger es dauert, desto unwahrscheinlicher wird eine Realisierung des Projekts. Wir können aber nichts anderes tun, als abzuwarten. Im Ernstfall muss Intel 40 Mill. Dollar abschreiben. Das ist nicht schön für uns.

Würden Sie so ein Investment noch einmal machen?

Barrett: Das ist in der schnelllebigen Halbleiterbranche eine schwierige Frage. Wir würden es in jedem Fall in Betracht ziehen und sehr genau prüfen. Schließlich ist Intel weltweit der größte Wagniskapital-Geber aller High-Tech-Firmen.

Sie kommen gerade von einer Reise durch den Nahen Osten und die Ukraine. Wollen Sie lieber in dem Hinterhof der Weltwirtschaft investieren?

Barrett: Der Nahe Osten ist zusammen mit Russland, China und Indien einer der größten Zukunftsmärkte für die Informationstechnologie. In diesen Ländern leben zusammengerechnet rund 2,5 Milliarden Menschen, die Anfang der neunziger Jahre für unsere Wirtschaft schlicht nicht erreichbar waren. Die Reise nach Osteuropa und in den Nahen Osten hatte den Grund, mehr Informationen darüber zu gewinnen, welche Länder künftig das Tor zu diesen Märkten sein werden.

Hat Deutschland als Technologiestandort für die Chipindustrie da noch eine Chance?

Barrett: Die Konkurrenz durch neue Länder wie China, Indien oder Russland ist riesengroß. Die Bildungssysteme dieser Länder produzieren jedes Jahr enorme Mengen gut ausgebildeter Ingenieure. Allein in China sind es pro Jahr rund 400 000. In den USA sind es 40 000. Für Deutschland wird die Zahl noch niedriger liegen. Natürlich werden wir nach wie vor Chipfabriken in den USA haben, doch haben die aufstrebenden Länder mehr Fähigkeiten, als nur die verlängerte Werkbank der USA und Europas zu sein.

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