Interview
„Ich gehe für meine Ideen durch die Hölle“

Ibrahim Evsan, deutscher Online-Pionier und Gründer des Videoportals sevenload.com, kehrt zurück zu seinen Wurzeln: Nach vier Jahren an der Spitze seines Unternehmens will er als Gründer noch mal von vorne anfangen. Im Interview spricht Evsan über seine neuesten Pläne im Netz und darüber, wie man online Geld verdienen kann.

Handelsblatt: Herr Evsan, die Nachricht vom Rückzug aus den operativen Ämtern bei Sevenload kam ziemlich plötzlich. Ab Donnerstag sitzen sie nur noch im Beirat. Was sind die Hintergründe?

Ibrahim Evsan: Der konkrete Zeitpunkt war tatsächlich eine spontane Aktion. Aber der Wechsel ist sorgfältig vorbereitet. Ich will einfach jetzt mit der neuen Idee anfangen, sonst verpassen wir da den Markt. Bei Sevenload habe ich das Gefühl, das Baby kann ich jetzt abgeben.

Worum wird es denn in Zukunft gehen?

Wir gehen in den Spielebereich. Social Gaming, also das vernetzte Spielen übers Internet mit dutzenden Usern, wird das neue große Ding. Wir hätten wirklich alles machen können, aber dieser Bereich ist am saftigsten.

Wer ist "Wir"?

Die neue Firma mache ich mit meinem alten Partner Thomas Bachem zusammen. Wir sitzen wie früher am Küchentisch, diskutieren und denken nach, treffen spannende Leute. Das habe ich mir wieder gewünscht. Der Name steht auch schon fest: United Prototype. Und wir stecken bereits mitten in den Investorengesprächen.

Sie haben mal gesagt, bei der nächsten Gründung würden sie klotzen, nicht kleckern. Also?

Eine einstellige Millionensumme möchten wir haben.

Und wann soll es losgehen?

Wir starten bereits Ende Oktober mit einem neuen Blog. Der soll die ganze Gründungsphase begleiten.

Kommen wir zurück zu den Anfängen: Wie war ihr erster Kontakt mit der Computerwelt?

Meine Fixierung hat sehr früh begonnen. Ich komme aus einer Integrationsfamilie und konnte schlecht Deutsch, wollte mich aber schnell integrieren. Einer meiner Freunde hatte Donkey Kong auf dem Computer, das hat uns verbunden. Seitdem war ich fixiert: ich wollte immer nur zurück an diese Maschine. Dass ich immer wieder in zwei Minuten die Prinzessin befreien konnte, war für mich ein Glücksmoment.

Laut Xing haben Sie auf der "Universität des Lebens" studiert. Was lernt man da?

Misserfolge führen zu Erfolgen. Ein klassisches Studium hätte meiner Kreativität eher geschadet, weil ich es dann wahrscheinlich zu leicht gehabt hätte. Denn auch durch menschliche Enttäuschungen im Berufsleben bin ich stark geworden. Meine Herkunft hat meine Arbeit sehr geprägt, denn ich habe ja nichts geschenkt bekommen und musste mir alles hart erarbeiten.

Und wie wurde aus dem Fixierten mit der Liebe zu Donkey Kong der Unternehmer?

Zuerst habe ich Versicherungen verkauft und gemerkt, dass ich da schnell an meine moralischen Grenzen kam. Deswegen habe ich als Verpacker angefangen. Ich wurde schnell Vorarbeiter und gemobbt. Dann musste mir das Arbeitsamt einen gleichwertigen Job anbieten, aber einen 19-Jährigen Vorarbeiter stellt keiner ein. Also haben sie mir eine Umschulung zum Werbekaufmann angeboten.

Wann wurde dann die Idee zu Sevenload geboren?

Meine Frau und ich zappten durch die Fernsehkanäle, fanden aber nichts Gescheites. Ein paar Wochen vorher kaufte ich mir außerdem eine Digitalkamera, aber die kleinen Festplatten waren damals sofort voll. Wo tu ich denn jetzt meine ganzen Daten hin, fragte ich mich. Und da reifte in mir die Idee, Videos in ein Portal hochzuladen.

Woher kam das Geld?

Aus meiner eigenen Tasche. Ich sagte mir: die nächsten neun Monate verdiene ich nicht einen Cent und gehe für meine Idee durch die Hölle. Neun Monate lang haben wir Unmengen Pizza gegessen, XBox gezockt und uns nicht rasiert - aber diese beste Zeit meines Lebens hat sich gelohnt. Wir wussten genau: Wenn wir das durchziehen, geben wir dem Internet neue Impulse. Das war ja nach der geplatzten Dotcom-Blase 2001 so gut wie tot.

Was unterscheidet Sevenload von Youtube?

Wir haben uns von Anfang auf die Entwicklung von Webchannels konzentriert, als Youtube noch gar nicht mit einer Kanalstruktur gearbeitet hat. Wir unterstützen neue Künstler, die mit ihren Formaten bei uns auf Sendung gehen.

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