Interview Jörg F. Maas: „Jubiläen sind Bausteine zur Leseförderung“

Interview Jörg F. Maas
„Jubiläen sind Bausteine zur Leseförderung“

Nutzen Jubiläen wie der 300. Geburtstag von Friedrich dem Großen dem Leseland Deutschland? Im Interview sprach Jörg F. Maas, Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen in Mainz, über die besondere Art der Leseförderung.
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Handelsblatt: Gibt es nicht einen gewissen "Overkill" an Jubiläumsbüchern wie jetzt zu Friedrich den Großen? Werden Themen wie der Alte Fritz nicht auch zu Tode geritten?

Jörg F. Maas: So unterschiedlich die Bedürfnisse und die Zielgruppen sind, so breit gefächert muss auch das Angebot sein. Neben wissenschaftlichen Publikationen haben auch populärwissenschaftliche Titel, historische Romane oder auch Kinderbücher über historische Persönlichkeiten und Ereignisse ihre Leserschaft und damit ihre Daseinsberechtigung. Denn wir sollten nicht vergessen: Lesen soll in erster Linie Freude bereiten.

Nützen wichtige Jubiläen und deren mediale Aufmerksamkeit der Lesekultur in Deutschland?

Sie sind zumindest ein Baustein zur Leseförderung, ebenso wie der Bundesweite Vorlesetag und der Welttag des Buches. Aber um ganz realistisch zu sein: Nur durch ein Jubiläum nimmt kaum jemand ein Buch in die Hand, der vorher gar nicht gelesen hat. Dafür braucht es etwas mehr, und da setzt die Stiftung Lesen mit ihrer Vielzahl von Projekten an. Um Ihnen nur ein Beispiel zu nennen: Mit unserem Projekt "Mein Papa liest vor" sprechen wir gezielt Väter an, um sie mehr in die familiäre Vorlesekultur zu integrieren. Wenn wir das zum Beispiel mit Geschichten rund um den 60. Jahrestag des "Wunders von Bern" erreichen, dann nutzen wir das Jubiläum natürlich gerne.

Haben Sie dafür positive Beispiele aus der Vergangenheit?

Sehr erfolgreich war unsere Aktion "Mainz liest Kleist" im Kleistjahr 2011. Engagierte Mainzerinnen und Mainzer haben bei einem sechsstündigen Lesemarathon mit verteilten Rollen aus den Werken Kleists vorgelesen und damit nicht nur sich, sondern auch den begeisterten Zuhörern seine Literatur nähergebracht. Dieses erfolgreiche Projekt würden wir in Zukunft gerne mit anderen Autoren an weiteren Orten realisieren.

Was sind die nächsten Jubiläumswellen, die uns drohen? In diesem Jahr steht ja noch der 50. Todestag von Hermann Hesse und nächstes Jahr Richard Wagner an...

… und wie bereits erwähnt 2014 der 60. Jahrestag des "Wunders von Bern", zeitgleich mit der Fußballweltmeisterschaft in Brasilien. Die Veröffentlichungen dazu werden den 300. Geburtstag von Friedrich den Großen sicherlich noch übersteigen. Und bereits im nächsten Jahr wird die Stiftung Lesen 25 Jahre alt - auch so ein Jubiläum…

Sind die Verlage mutig genug, auch mal antizyklisch Bücher zu historischen Zäsuren zu wagen?

Das hat meiner Meinung nach nichts mit Mut zu tun. Die Verlage nutzen gezielt das große öffentliche Interesse in einem Jubiläumsjahr. Jetzt noch zwei Jahre mit der Veröffentlichung einer Friedrich-Biographie zu warten, wäre nicht mutig, sondern fahrlässig. Generell gilt natürlich: Jede gute Veröffentlichung, ob mit oder ohne Jubiläum, hilft uns bei der Leseförderung.

 

 

 

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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