Interview mit Frerk-Malte Feller
„Ebay ist immer noch der Platzhirsch“

Ebay Deutschland wird zehn Jahre alt. Doch die Probleme der Konzernmutter könnten den Berlinern die Party verderben. Im Interview spricht der neue Geschäftsführer Frerk-Malte Feller über Konkurrenten, den verloren gegangenenen Flohmarkt-Charakter, geplante Neuerungen – und persönliche Vorlieben beim Shopping.

DÜSSELDORF. Herr Feller, Glückwunsch zu zehn Jahren Ebay Deutschland.

Vielen Dank. Wer hätte das gedacht, als wir 1999 in einem Hinterhof in Berlin-Kreuzberg angefangen haben? Wir sind die größte und beliebteste Shopping-Website im deutschen Internet. Wir verbinden inzwischen private und gewerbliche Verkäufer auf einer Plattform, und das mit märchenhaftem Erfolg.

Sind Sie eigentlich noch ein Flohmarkt-Betreiber - oder eher ein Kaufhaus-Direktor?

Beides. Die privaten Nutzer sind uns genauso wichtig wie die kommerziellen, und beide Gruppen halten sich bei der Zahl der verkauften Artikel ungefähr die Waage.

Verderben Ihnen die miserablen Zahlen aus den USA die Party? Weltweit gehen Nutzerzahlen, Gewinn und Umsatz zurück. Ebay müsste in Krisenzeiten doch profitieren.

Nun, es ist richtig, dass wir weltweit ein schwieriges Quartal hatten. Doch Ebay profitiert durchaus. Was Deutschland betrifft, sind wir sehr zufrieden. Gerade beim Weihnachtsgeschäft, wo wir insgesamt mehr als 30 Millionen Artikel verkauft haben - am stärksten Tag sogar bis zu 1,6 Millionen, das sind 75 Artikel pro Sekunde. Um im Kaufhaus-Bild zu bleiben: Da bräuchte man eine Menge Kassen.

Dann müssten Sie doch eigentlich mit breiter Brust vor Ihren Chef im kalifornischen San José treten können. Stattdessen kündigt John Donahoe Stellenstreichungen an, auch in Deutschland.

Die Entlassungen sind nicht unbedingt ein Ergebnis schlechter Geschäftszahlen, sondern die Konsequenz unserer Umstrukturierung in Europa im vergangenen Jahr. Wir befinden uns alle aufgrund der Finanzkrise in schwierigen Zeiten. Es gibt es kaum ein Unternehmen, das im Moment nicht versucht, sich neu aufzustellen.

Was gab bei Ebay den Ausschlag?

Es liegt an den veränderten Rahmenbedingungen im E-Commerce, dass wir effizienter werden mussten. Wir haben ja jahrelang in Europa viele Entwicklungen gleich elf Mal betrieben, jedes Land für sich. Das erforderte unglaublich viel Koordination und verbrauchte hohe Investitionen. Aber es macht doch wenig Sinn, wenn zum Beispiel jedes Land die Such-Funktion auf der Ebay-Plattform selbst entwickelt. Also haben wir uns besser aufgestellt - mit dem obersten Ziel, schneller auf die Konkurrenz reagieren zu können. Ebay ist zwar immer noch der Platzhirsch, aber wir sind nicht mehr allein.

Das muss Ihnen zu schaffen machen. Viele Ebay-Kunden vermissen mittlerweile den Flohmarkt-Charakter und stöbern lieber bei kleineren Konkurrenten. Andere, die Neuware kaufen wollen, gehen rüber zu Amazon. Wie wollen Sie dem beikommen?

Unser Erfolg zieht Konkurrenten an, und das sehe ich zunächst mal als Kompliment. In diesem harten Wettbewerb gewinnt der, der weiß, was die Kunden morgen wollen. Und wir haben gerade durch die Verbindung von privaten und gewerblichen Angeboten einen klaren Vorteil, der es uns ermöglicht, die größte und beliebteste Shopping-Website zu bleiben.

Das haben Plattformen wie Amazon auch. Wie sehen die konkreten Pläne für Ebay aus? Kann das Auktionsgeschäft überhaupt noch wachsen?

E-Commerce ist weiter ein spannender Wachstumsmarkt, sehen Sie etwa den Bereich der mobilen Endgeräte, da steckt noch viel drin. Der Schlüssel zum Erfolg liegt aber in der Kundenzufriedenheit. Dazu haben wir in diesem Jahr noch einiges vor. Wir werden etwa die Abwicklung von Retouren verbessern oder einen SMS-Sicherheitsschlüssel für das Bezahlsystem Paypal einführen. Außerdem werden ab heute unsere "Wow-Angebote", die Besteller des Tages, ausgeweitet. Und wir wollen die Produktauswahl vergrößern, indem wir Händlern und Herstellern so etwas wie Markenwelten anbieten, auf denen sie ihre Produkte präsentieren können.

Zuletzt gab es gleich mehrere Änderungen im Geschäftsmodell. Mal bei den Gebühren, mal beim Bewertungssystem, mal beim Web-Auftritt. Der Druck muss hoch sein.

Wir sind in den vergangenen 18 Monaten einen sehr konsequenten Weg zu mehr Kundenzufriedenheit gegangen. Und diesen Weg werden wir weiter fortführen. Insgesamt bin ich sehr zufrieden. Nehmen Sie die Abschaffung der Angebotsgebühr bei privaten Verkäufen, nehmen Sie das neue Geschäftsmodell für gewerbliche Anbieter - allein diese beiden Maßnahmen haben dazu beigetragen, dass sich das Angebot von neun Mio. auf über 30 Millionen Artikel ausgeweitet hat. Ein deutliches Zeichen, dass die Veränderungen bei beiden Gruppen gut angekommen sind.

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