Interview mit Google-Chef Eric Schmidt
„Warum denn nicht die Deutschen?“

Der Chef eines der erstaunlichsten und erfolgreichsten Unternehmen der letzten Jahre, Google-Chef Eric Schmidt, hält große Stücke auf die viel geschmähte deutsche und die europäische Wirtschaft. Im Interview mit den Handelsblatt spricht er außerdem über Microsoft, die Chanchen von Jungunternehmern und die Zukunft von Google.

Handelsblatt: Herr Schmidt, lassen Sie uns mit dem Thema „Web 2.0“ starten ...

Eric Schmidt: Ach, eigentlich hasse ich den Begriff.

Warum das denn?

Weil das ein reiner Marketing-Begriff ist. Er erweckt einen falschen Eindruck. Aber natürlich ist das, was gerne „Web 2.0“ genannt wird, sehr real. Dahinter stehen die Veränderungen der Architektur des Internets und der Computertechnik in den letzten fünf Jahren. Ich würde das lieber als „Cloud Computing“ bezeichnen.

Was heißt das?

Jahrelang war immer die Rede davon, dass wir bald nur noch ein Gerät für alle Daten und Kommunikationsbedürfnisse haben werden. Das ist falsch. Wir werden viele Geräte haben, aber alle werden auf die gleichen Informationen zugreifen können. Die werden in der „Cloud“, der Wolke, gespeichert sein, in gewaltigen Datencentern im Internet.

Das will uns die IT-Industrie schon lange verkaufen – Web-Server übernehmen vom Schreibtisch-PC Speicher und Rechenleistung. Stichwort „Thin Client“. Das ist doch bislang immer gescheitert.

Das stimmt. Die Versuche sind bislang gescheitert und ich predige das auch schon seit zwanzig Jahren. Aber ich hatte damals Recht und habe Recht behalten. Ich war nur zu früh dran.

Warum ist die Zeit jetzt reif?

Erst in den letzten fünf Jahren haben die Netze die nötige Bandbreite bekommen, um diese Vision Realität werden zu lassen. Und – noch wichtiger – jetzt gibt es die bislang fehlende Möglichkeit der Refinanzierung über Online-Werbung. Die Online-werbung hat alles schlagartig verändert.

Wann werden wir die Auswirkungen dieser Entwicklung spüren?

Cloud Computing – oder von mir aus nennen wir es ruhig Web 2.0 – ist bereits der wichtigste Technologietrend. Alle Investitionen fließen derzeit in Anwendungen für dieses Modell oder Antworten darauf. Alle Softwarefirmen entwickeln daran. Schauen sie sich Microsoft an – Software in Kartons zu verkaufen war lange ein riesiges Geschäftsmodell. Das ändert sich gerade ganz gewaltig.

Cloud Computing ist die Rückkehr der großen Rechenzentren?

Genau, die Rückkehr der Mainframes. Ist das nicht lustig? Die Computerindustrie bewegt sich im Kreis. Wir bauen wieder riesige Rechenzentren mit leuchtenden Knöpfen und Administratoren – wie damals, als ich ein Kind war.

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