Interview mit Kazuo Hirai, Chef der Sony-Spielesparte
„Wir sehen das goldene Zeitalter“

Jahrelang hatte Sony bei Spielekonsolen die Position des Marktführers inne. Doch mit dem schleppenden Start der Playstation drei und dem bombastischen Erfolg von Nintendos Wii wurde aus dem Gejagten wieder ein Jäger. Für Kazuo Hirai, Chef der Spielesparte, stehen die besten Zeiten jedoch ohnehin noch bevor. Ein Interview.

Herr Hirai, vor genau 15 Jahren, am 21. Juli 1993, fand am Sony-Hauptsitz in Tokio eine entscheidende Vorstandssitzung statt. Das Gremium fasste an diesem Tag den Entschluss, in das Videospiele-Geschäft zu investieren. Heute ist das ein Geschäftszweig mit strategischer Bedeutung und Milliarden-Umsätzen. Was hat sich in der Branche seit damals geändert?

Eigentlich alles. Damals war Video-Gaming ein Teil der Spielzeugindustrie. Die wichtige Branchenmesse E3 in den USA gab es noch nicht. Die Marktführer - die Unternehmen Sega und Nintendo - stellten ihre Produkte auf der Toy Show in New York aus, sie verkauften ihre Ware an Spielzeuggeschäfte. Die Spiele waren für Jungs im Alter von acht bis zwölf Jahren gedacht. Mit 18 hatten die dann Autos, Motorräder und Mädchen im Kopf, aber garantiert keine Videospiele mehr. Heute ist Video-Gaming das dritte Standbein der Unterhaltungsindustrie neben Musik und den bewegten Bildern für Film und Fernsehen. Und ein 35-jähriger Mann, der etwa das Street-Action-Spiel "Grand Theft Auto" spielt, ist heute keine Ausnahme mehr. Diese Generation sieht Videospiele für sich als Normalität an. Das ist schon ein dramatischer Wandel innerhalb einer kurzen Zeit.

Geht das bis in soziale und kulturelle Bereiche?

Definitiv. Video-Gaming übt gute und schlechte Einflüsse aus, das muss man klar sehen. Immer wenn es irgendwo Jugendgewalt gib, gibt es einen, der versucht, diese sofort mit Videospielen in Zusammenhang zu bringen. Darüber muss man reden. Aber generell ist das Videospiel zum kulturellen Mainstream geworden, das muss man einfach anerkennen.

Die Wachstumsraten der Branche sind derzeit enorm, rund 40 Prozent im ersten Halbjahr allein in den USA. Steht die Gaming-Industrie vor einem "goldenen Zeitalter", wie viele Branchenbeobachter sagen?

Ja, das glaube ich definitiv. Das heißt allerdings nicht, dass es nie eine Zeit geben könnte, in der die Konsumenten ihre Haushaltsbudgets für Unterhaltung - nicht für Video-Gaming alleine - kürzen werden. Etwa wenn die Ölpreise durch die Decke gehen oder sich die wirtschaftliche Lage noch weiter verschlechtern sollte. Noch haben wir zwar nichts davon gesehen, aber wir müssen aufpassen.

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