Interview mit Logitech-Chef Gerald Quindlen
"Wir sind noch ein gut gehütetes Geheimnis"

Der neue Logitech-Chef Gerald Quindlen hat sich viel vorgenommen: Der Umsatz, der schon heute deutlich über zwei Milliarden Euro liegt, soll jedes Jahr um zweistellige Raten wachsen. Gelingen soll das mit Hilfe von Fernbedienungen fürs Wohnzimmer - und durch Akquisitionen.

Herr Quindlen, inzwischen werden in Deutschland mehr Notebooks als PCs verkauft. Wer braucht da noch extra Mäuse oder Tastaturen von Logitech?

Durch Notebooks verlieren wir keine Kunden. Es ist so unbequem, auf Dauer die Notebook-Tastatur zu verwenden, dass viele Nutzer nach wie vor auf unsere Produkte zurückgreifen. Dazu kommt, dass wir spezielle Mäuse, Tastaturen, Lautsprecher und Webkameras für unterwegs entwickelt haben. Die Sachen verkaufen sich wirklich gut.

Sie sind seit Anfang des Jahres Chef von Logitech, des größten und bekanntesten Herstellers von Mäusen und Tastaturen weltweit. Was werden Sie jetzt ändern?

Logitech ist eine erfolgreiche Firma, die Strategie stimmt, deshalb muss ich nun nichts auf Anhieb ändern. Aber ich habe mir viel vorgenommen. Mein Ziel ist es, das jährliche Wachstum im zweistelligen Bereich zu halten. Darüber hinaus möchte ich erreichen, dass wir noch bekannter werden. Wir sind doch heute noch ein gut gehütetes Geheimnis.

Logitech erzielt weit über zwei Milliarden Dollar Umsatz. Wie wollen Sie da jedes Jahr noch zweistellig wachsen?

Keine Sorge, wir haben wirklich noch viel Potenzial. Einerseits können wir in aufstrebenden Ländern wie China, Indien und Russland noch enorm zulegen. Andererseits stehen Akquisitionen immer auf der Agenda, zum Beispiel um ganz neue Technologien ins Haus zu holen. Zudem streben wir in neue Produktkategorien, etwa Fernbedienungen.

Welche Art von Übernahmen haben Sie geplant?

Ich gebe Ihnen ein Beispiel. Wir haben jüngst eine Firma gekauft, die ein System entwickelt hat, mit dem sich Räume per Webkamera und Internet überwachen lassen. Wir vertreiben das jetzt weltweit. Solche Akquisitionen könnte ich mir auch in Zukunft vorstellen.

Und was meinen Sie mit neuen Produktkategorien?

Wir bauen gerade das Geschäft mit Fernbedienungen stark aus. Schauen Sie sich hier die „Harmony One“ an, eine sehr elegante Fernbedienung, mit der sie jede Menge Elektrogeräte steuern können. Wir haben hier bewusst Wert auf ein edles Aussehen gelegt. Zudem haben wir nicht möglichst viele Knöpfe darauf gepackt wie die Konkurrenz bei ihren Produkten, sondern uns auf das Wesentliche beschränkt.

Fernbedienungen für mehrere Geräte gibt es wie Sand am Meer, was kann Logitech da besser?

Sie haben Recht. Aber wir haben bei unseren Recherchen herausgefunden, dass 90 Prozent der Geräte für unter 50 Dollar verkauft werden, billiges Zeug also. Die restlichen zehn Prozent sind Luxusgeräte für mehr als 500 Dollar. Wir streben Preise um die 100 Dollar an. Händler sagen uns, dass das gefragt ist.

Das beantwortet nicht die Frage, was Logitech-Equipment besser macht als Konkurrenzprodukte.

Unsere Produkte sind einfach zu bedienen und lassen sich leicht installieren. Das zieht sich durch unser ganzes Angebot. Es darf einfach nicht lange dauern, die Sachen zum Laufen zu bringen. Zudem spielt Design eine große Rolle bei uns, und auch das schätzen die Kunden.

In Industrieländern wie Deutschland stapeln sich bei den meisten Computernutzern bereits die Mäuse und Tastaturen im Regal. Können Sie auch hierzulande noch wachsen?

Oh ja. Wir verkaufen in Deutschland zum Beispiel immer mehr Webkameras. Das liegt daran, dass die Leute jetzt einen Breitbandzugang zum Internet haben und jetzt die Kameras richtig interessant für sie sind. Dazu kommt, dass wir mit unseren Lautsprechern und Fernbedienungen den Weg von den Arbeitszimmern und Büros in die Wohnzimmer gehen. Auch das eröffnet uns neue Absatzmöglichkeiten.

Gibt es spezielle Produkte für einzelne Länder?

Meist sind die Geräte überall auf der Welt gleich. Manchmal aber passen wir sie lokal an. Ein Beispiel: In China gibt es sehr viele Internetcafés. Für die haben wir Tastaturen entwickelt, die sehr viel aushalten. Das ist wichtig, weil sie rund um die Uhr benutzt werden. Das ist für uns auch eine schöne Werbung. Denn irgendwann werden sich die Menschen dort einen eigenen Computer leisten können – und dann kennen sie Logitech schon.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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