Interview mit Stefan Groß-Selbeck
Neuer Xing-Chef: "Ich muss und will noch viel lernen"

Als Chef von Ebay Deutschland hatten sie 1 000 Mitarbeiter und einen Umsatz von etwa einer Milliarde Euro, Xing ist einige Nummern kleiner. Ist das kein Rückschritt für Sie?

Nein, das sehe ich nicht so. Xing ist eines, wenn nicht das erfolgreichste InternetUnternehmen der letzten Jahre in Deutschland oder sogar in Europa, und dieses Unternehmen führen zu können, ist eine besondere Herausforderung. Mit Xing spielen wir eine herausragende Rolle im Social Networking - das finde ich sehr spannend. Die Tatsache, dass wir wachsen, ist für mich wesentlich wichtiger als die absolute Zahl bei Umsatz und Mitarbeitern.

Als Sie bei Ebay waren, haben Sie im Interview mit dem Handelsblatt gesagt, Ihre größte Macke wäre, dass Sie alles besser wissen als Ihre Mitarbeiter. Sagen Sie das auch nach vier Monaten bei Xing?

Ich erinnere mich. Das war ein Fragebogen und mein erster und letzter Versuch, bei Interviews auf der Print-Ebene ironisch zu sein. Das ist leider misslungen (lacht). Ebay ist wie Xing ein Internet-Geschäft, ein schnelles Geschäft mit wachsender Community, aber natürlich muss und will ich hier noch viel lernen. Ich glaube auch nicht, dass ich den Mitarbeitern ein anderes Bild vermittelt habe.

Sie haben Jura studiert, wollten Diplomat werden und hatten plötzlich keine Lust mehr darauf. Warum?

Es stimmt, ich wollte Diplomat werden. Aber ich habe neben Jura auch noch VWL studiert, um mir alle Möglichkeiten offen zu halten. Während des Rechtsreferendariats habe ich in der Großkanzlei Freshfield Bruckhaus Deringer gearbeitet und sehr schnell gemerkt, dass meine Mandanten spannendere Jobs hatten als ich. Es ging um große Deals und Transaktionen, und wie das Business läuft, fand ich viel interessanter als die konkrete rechtliche Umsetzung. Also habe ich die Seiten getauscht und noch einen MBA gemacht.

Haben Sie später nie gedacht, die Promotion hätte ich mir sparen können?

Nein, ich habe das nie bereut und auch nicht darüber nachgedacht. Ich habe die Zeit des Studiums sehr genossen.

Als Sie am Insead waren, haben Sie in einem kleinen Schloss gewohnt.

Das klingt wesentlich protziger, als es tatsächlich war. Das Insead liegt in einer sehr ländlichen Region mit viel Wald. Dort gibt es viele leerstehende Herrenhäuser, die sich Studenten zu fünft oder sechst mieten. Das haben wir auch getan, dort kann man wunderbar wohnen. Ich habe mit zwei Amerikanern, zwei Briten und einer Israelin zusammengewohnt. Wir hatten sehr viel Arbeit und sehr viel Party, es war eine schöne Zeit.

Wo haben Sie am meisten gelernt: Am Insead, als Sie für Ebay in Schanghai waren oder bei BCG?

Ich denke, am meisten prägen die Erfahrungen, die man im Jugendalter macht. Als 15-Jähriger war ich zum Austausch in den USA, in einer Kleinstadt in Washington State an der Westküste. Ich hatte eine tolle Gastfamilie und es war ein sehr amerikanisches Leben dort -da habe ich eine Menge gelernt.

Das Interview führte Gero Lawecki.

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