Interview mit Stefan Groß-Selbeck
Neuer Xing-Chef: "Ich muss und will noch viel lernen"

Seit Mitte Januar ist Stefan Groß-Selbeck der neue Vorstandsvorsitzende von Xing. Im Interview spricht der 41-Jährige über seinen Vorgänger, den Gründer Lars Hinrichs, sein persönliches Netzwerk und über missglückte Ironie.

Herr Groß-Selbeck, seit Mitte Januar sind Sie Xing-Vorstandschef. Wie hat sich seitdem Ihr Netzwerk entwickelt?

Ich habe jetzt 657 Kontakte, als ich anfing waren es knapp 100. Allein bei Xing habe ich 200 Kollegen. Das geht schnell.

Sie müssen ja nicht jeden akzeptieren. Wen lehnen Sie ab?

Ich bin sehr offen und lehne nur ab, wenn ich das Gefühl habe, die Anfrage ist nicht ganz seriös. Oder wenn ich überhaupt keine Motivation hinter der Kontaktanfrage erkennen kann. Das ist aber erst ein- oder zweimal vorgekommen. In der Regel bekomme ich sehr freundliche und interessante Nachrichten und Kontaktanfragen. Dann sage ich auch zu.

Bewerben sich die Leute auch für einen Job bei Ihnen?

Klar, das kommt durchaus vor.

Und Sie sagen "Kontakt ja, Job nein"?

Nein, denn wir wachsen und haben offene Stellen. Ich freue mich über solche Anfragen, verweise die Bewerber dann aber an die Personalabteilung.

Geht die Krise an Xing vorbei?

Nein, die Krise hinterlässt Spuren. Die Werbung macht allerdings nur rund acht Prozent unseres Gesamtumsatzes aus und wird auch in Zukunft nur eine ergänzende Erlösquelle bleiben. Gleichzeitig erkennen durch die Wirtschaftskrise immer mehr Berufstätige, dass persönliche Kontakte wichtiger werden, um neue Kunden zu gewinnen, Kooperationspartner zu gewinnen oder auch einen neuen Job zu finden. Ohne ein Netzwerk wie Xing können Sie vielleicht 200 Kontakte pflegen, also ab und zu von sich hören lassen. Mit einem Tool wie Xing schaffen Sie das mit mindestens dreimal so vielen Leuten. Dies führt dazu, dass die Aktivität auf unserer Plattform steigt und wir neue Mitglieder hinzugewinnen. Wir profitieren also auch von wirtschaftlich unsicheren Zeiten.

Xing ist Marktführer in Deutschland. Aber Facebook drängt auf den Markt und Linked-In hat seine deutsche Seite gestartet. Wird es eng für Xing?

Facebook und Linked-In sind Wettbewerber, die wir respektieren und ernst nehmen, alles andere wäre arrogant. Aber in Deutschland haben wir mit rund drei Millionen Mitgliedern die größte Business Community, die zudem auch weltweit einzigartig aktiv ist. 60 Prozent unserer Nutzer sind regelmäßig im Monat auf ihrer Seite und 500 000 Mitglieder waren im vergangenen Jahr bei den rund 90 000 Gruppentreffen, die von Mitgliedern organisiert und offline veranstaltet werden. Das ist einzigartig. Xing wächst im deutschsprachigen Raum, auch nachdem Linked-In die Internetseite ins Deutsche übersetzt hat, weiter. Deshalb bereitet uns das keine schlaflosen Nächte.

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