Interview mit Telekom-Chef
Ricke: „Wir müssen rigoros Kosten senken“

Die Deutsche Telekom hat ein Problem: Ihr laufen die Festnetz-Kunden weg. Um die Menschen zu halten, will Konzernchef Kai-Uwe Ricke das Tarifwirrwarr in seinem Haus beenden und stattdessen Pauschaltarife für Telefonieren, Surfen und/oder Fernsehen anbieten. Das kündigte er im Interview mit dem Handelsblatt an. Doch nicht nur bei den Tarifen will Ricke aufräumen.

Handelsblatt: Herr Ricke, in den USA sind riesige Telekom-Konzerne wie AT&T und Verizon entstanden. Wird es auch in Europa eine Konsolidierung geben?

Kai-Uwe Ricke: Die Amerikaner haben verstanden, was der Markt verlangt – nämlich starke Wettbewerber zu kreieren. Ähnliche Tendenzen sehen wir derzeit in Asien. Die europäische Telekomindustrie muss aufpassen, dass sie hier nicht den Zug verpasst.

Werden wir in Europa Fusionen der großen Spieler über Landesgrenzen hinweg erleben?

Die Konsolidierung in der europäischen Telekomindustrie wird kommen. Allerdings wird das noch eine Weile dauern. Im Moment sprechen die politischen Rahmenbedingungen, die Brüssel setzt, dagegen.

Was passiert in der Zwischenzeit? Der europäische Markt hat deutlich überschüssige Netzkapazitäten in einzelnen Ländern. Die können nicht ewig bestehen. Nehmen Sie nur als Beispiel Großbritannien mit fünf Mobilfunkbetreibern.

Wie viel Geld würden Sie für Zukäufe in die Hand nehmen?

Stopp, bei allen Spekulationen zu möglichen Käufen der Deutschen Telekom gilt eins: Wir müssen den Cash-Flow sehr sorgfältig managen. Es geht darum, Umsätze durch Investitionen in künftige Produktfelder abzusichern und dazu die Kosten rigoros zu senken. Das bedeutet auch, verstärkt in Rationalisierungsinvestitionen zu gehen. Darüber hinaus gilt es, die Dividende im Blick zu behalten und die berechtigten Interessen der Aktionäre zu befriedigen. Und nur wenn bei diesen Planungen noch genügend Cash vorhanden ist, kann man über Zukäufe nachdenken, wobei wir uns nicht in Käufe treiben lassen, sondern strikte Kriterien anwenden.

Könnten die so aussehen, dass Sie im Ausland überall als integrierter Anbieter von Telefonie, Internet und Mobilfunk auftreten?

Nein, das ist nicht unsere Strategie. Wir entscheiden abhängig von dem jeweiligen Markt, wie wir uns vor Ort aufstellen. In Amerika zum Beispiel hat der Mobilfunk noch so ein großes Wachstumspotential. T-Mobile USA ist hier sehr gut positioniert, um vom Trend zur Festnetz-Substitution stark zu profitieren.

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