Interview mit Wolfgang Ziebert, Vorstandschef bei Infineon
„Eine Sanierung schafft viele Werte“

Im Interview äußert sich Infineon-Vorstandschef Wolfgang Ziebert über die schwierige Umstrukturierung des Konzerns, Standortfaktoren in Deutschland, den Kampf gegen illegale Verfahrensweisen sowie die Zukunftsaussichten des Münchener Halbleiterherstellers.

Handelsblatt: Herr Ziebart, in den vergangenen fünf Jahren hat Infineon 2,5 Milliarden Euro Verlust gemacht. Ist das Unternehmen noch zu retten?

Ziebart: Auf jeden Fall. Wir werden Ende nächsten Jahres die Sanierung abgeschlossen haben. Unsere mittelfristige Zielsetzung liegt bei mindestens zehn Prozent Ergebnismarge.

Wenn Sie den Zeitplan einhalten, dann haben Sie drei Jahre gebraucht. Warum dauert es bei Infineon so viel länger als bei allen anderen Halbleiterfirmen, um in die schwarzen Zahlen zu kommen?

Hier muss man zwischen Portfolio- und Sanierungsmaßnahmen differenzieren. Portfoliomaßnahmen ergreifen Sie, wenn Sie keine langfristigen Erfolgschancen sehen. Wir haben wie andere Unternehmen auch einige unprofitable Sparten abgestoßen. Da sehen Sie sofort Ergebnisse. Bei der Sanierung müssen Sie die Ursachen einer Fehlentwicklung beseitigen. Interne Probleme können Sie selbst relativ schnell beheben. Externe Gründe wie den Wegfall eines der wichtigsten Kunden in unserem Mobilfunkbereich haben Sie leider nicht selbst im Griff. Wir sehen hier aber großes Potenzial. Deshalb sanieren wir auch. Dafür brauchen wir nicht mehr oder weniger Zeit als unsere Konkurrenten auch.

Wäre ein harter Schnitt nicht die bessere Lösung gewesen?

Nein. Im letzten Geschäftsjahr haben wir Geschäftsfelder mit einem Umsatz von 700 Millionen Euro in die schwarzen Zahlen gebracht. Hätten wir diese Bereiche einfach abgestoßen, wäre dieser Umsatz jetzt weg. Ich bin jedenfalls davon überzeugt, dass nichts so viel Wert schafft wie eine Sanierung. Dafür wird man am Kapitalmarkt nicht unbedingt mit Lob überschüttet. Die sehen dort lieber Portfoliomaßnahmen mit kurzfristigen Erfolgen.

Infineon ist unterm Strich noch immer hochdefizitär. Wie lange schaut sich das Ihr Aufsichtsrat noch an?

Da müssen Sie den Aufsichtsrat fragen. Ich weiß aber, dass die Aufsichtsräte unsere Strategie der langfristigen Wertschaffung unterstützen.

Sonderbelastungen verhageln Ihnen regelmäßig das Ergebnis. Mal sind es Strafen wegen Kartellabsprachen, zuletzt die Pleite von BenQ, die Infineon Millionen kosten. Was läuft schief?

Wir wären weiter mit der Sanierung, wenn unser wichtigster Kunde im Handygeschäft, BenQ Mobile, nicht in die Insolvenz gegangen wäre. Dieses Geschäft hat sich für uns extrem ungünstig entwickelt, darauf hatten wir keinen Einfluss. Vor zwei Jahren erzielten wir hier noch zweistellige Margen. Jetzt wird es noch ein Jahr dauern, ehe wir die Gewinnschwelle in dieser Sparte erreichen.

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