Interview
„Software AG ist krisenfester als SAP“

Die Software AG hat am Dienstagmorgen Quartalszahlen vorgelegt, die an der Börse richtig gut ankamen. Zuletzt schien sich Deutschlands zweitgrößte Software-Schmiede im positiven Sinne vom großen Proums SAP abzusetzen. Branchenexperte Thomas Liskamm, Analyst bei der Dresdner Bank erklärt die Gründe und gibt einen Ausblick auf die SAP-Zahlen am Mittwoch.

Herr Liskamm, wie bewerten Sie die Zahlen der Software AG?

An der Börse kamen die Zahlen sehr gut an. Immerhin hat die Software AG die Erwartungen voll erfüllt, das ist in diesen Zeiten ja schon was wert. Es kam eben nicht zu dem von einigen Analysten befürchteten Einbruch. Allerdings waren die Erwartungen auch nicht übermäßig hoch, so dass man nicht in Euphorie ausbrechen sollte.

Warum übersteht die Software AG die Krise so gut?

Das Geschäft mit Datenbanken und Applikationen zu Großrechnern zeigt sich in der Krise sehr stabil. Und die Software AG hat diese Felder in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut. Der Anteil revolvierender Umsätze, also solcher, die in der Krise kaum sinken, beträgt inzwischen über 50 Prozent.

Das Unternehmen sucht weiter nach Übernahmekandidaten. Ist das die richtige Strategie?

Grundsätzlich schon. Organisch zu wachsen ist derzeit kaum möglich. Für die Software AG geht das praktisch nur mit dem Geschäft in Brasilien. Allerdings ist dies nicht zuletzt durch Währungsrisiken nicht sicher. Also könnten Zukäufe durchaus ein gutes Mittel sein. Allerdings ist der Kreis der Kandidaten deutlich kleiner geworden. Viele Unternehmen leiden eben unter der Krise, so dass man sich auch durch niedrige Kaufpreise nicht zu sehr locken lassen sollte.

Am Mittwoch präsentiert SAP seine Zahlen. Was erwarten Sie?

Ich glaube nicht, dass die SAP-Aktie nach den Zahlen so stark ansteigt wie heute die von der Software AG. Die grundsätzlichen Erwartungen an SAP sind höher. Ich gehe aber davon aus, dass sie erfüllt werden. Die Zahlen von IBM im Großrechnerbereich geben viel Mut, dass auch SAP die Geschäfte hier nicht wegbrechen.

Früher hieß es: Wenn SAP hustet, hat die Branche die Grippe. Zuletzt konnte sich die Software AG sogar stabiler zeigen als SAP. Woher kommt das plötzlich?

Die Software AG hat ihr Geschäft krisensicherer gemacht als früher und ist nicht ganz so auf das internationale Geschäft ausgerichtet wie SAP. Das hilft dem Unternehmen jetzt in der Krise.

Wie bewerten Sie, dass Leo Apotheker nun alleiniger Chef wird?

Bisher waren immer Techniker an der Spitze von SAP. Mit Léo Apotheker steht nun zum ersten Mal ein mehr kaufmännisch geprägte CEO dem Unternehmen vor. Ich denke, dass dies unter dem Strich durchaus als Chance für eine künftig etwas aggressivere Marktstrategie sein kann, die SAP durchaus gut tun würde. Da Léo Apotheker aber ebenfalls bereits recht lange für SAP tätig ist und ähnlich wie zuvor Henning Kagermann auf den Posten gut vorbereitet wurde, dürfte er auch entsprechendes Vertrauen der Börsianer haben.

Thorsten Giersch
Thorsten Giersch
Chefredakteur Business bei der Verlagsgruppe Handelsblatt / Geschäftsführer digital bei planet c
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%