Interview
W. Petersen: Schlechtes Benehmen ist erlaubt

Eastwood, Clooney, Pitt: Die Liste der Stars, mit denen Hollywood-Regisseur Wolfgang Petersen bereits zusammengearbeitet hat ist lang. Im Interview spricht der Mann aus Emden neben seinem neuen Film „Uprising“ auch über Subventionen für die Filmindustrie, den Wert humanistischer Bildung in Hollywood und den Trend zum Spielzeugkino.

Herr Petersen, warum hat man es als Deutscher so schwer, in Hollywood Karriere zu machen?

Ich habe oft darüber nachgedacht, womit das zusammenhängt. Das war ja nicht immer so in Hollywood. In den 20er- und 30er-Jahren waren massenhaft Deutsche hier: Fritz Lang, Ernst Lubitsch, Otto Preminger, die Zahl ist endlos. Oder Österreicher wie Billy Wilder und Fred Zinnemann. Carl Lämmle hat Universal gegründet. Man kann schon fast behaupten, dass Hollywood von Deutschen aufgebaut wurde. Nach dem Krieg war sicherlich eine gewisse verständliche Abwehr da, aber heute kann ich es mir wirklich nicht recht erklären. Bernhard Wicki war hier, Volker Schlöndorff. Wim Wenders hat mit Francis Ford Coppola einen Film gemacht, aber irgendwie hat das bei denen nicht funktioniert.

Warum?

Weiß ich auch nicht. Schwer zu analysieren. Denn es gibt eine gewisse Verbindung zwischen deutschen und amerikanischen Filmemachern, fast wie eine Art Ehe. Das hat man in der Vergangenheit gesehen, da ist eine gewisse Ähnlichkeit in der Ästhetik, eine Ähnlichkeit beim Geschichtenerzählen. Ernst Lubitsch hat in Hollywood die leichte amerikanische Komödie erfunden. Das war ein Deutscher, und das ist hinterher tausendmal kopiert worden.

Bei Ihnen kam der Erfolg stattdessen ohne Komödienstoff.

Ja, ich bin hier mit „Das Boot“ groß rausgekommen.

Ist es immer noch Ihr „Lieblingskind“?

Ja, von daher natürlich schon. Außerdem liebt man ein Kind ganz besonders dann, wenn es so geprügelt wurde. Als „Das Boot“ in Deutschland rauskam, wurde es von der Kritik sehr schlecht behandelt. In der Zwischenzeit ist ein wenig vergessen worden, wie sehr der Film zerrissen wurde. Das war eine schwere und ungeheuerlich anstrengende Arbeit. Nicht nur weil das so ein Riesenfilm war, es war auch ein ewiger Kampf mit dem Autor Lothar-Günther Buchheim, der ständig Stunk machte und uns alle in der Presse beleidigte.

War die Kritik berechtigt?

Wir wurden angegriffen, weil der Stoff angeblich nicht genug Anti-Kriegsfilm war, sondern das Leben der deutschen U-Bootfahrer verherrlicht habe, was ich für völlig dummes Zeug hielt. Aber hier in den USA ist er eingeschlagen wie eine Bombe, das war ein Riesenerfolg. Und dann liebt man natürlich so ein Kind noch mehr, wenn man so viel reingesteckt hat, so viel Blut, Schweiß und Tränen.

War „Das Boot“ für Sie der Türöffner in Hollywood?

Das war ganz anders, als ich mir das vorgestellt hatte. Man hatte zuerst das Gefühl: Mensch, es liegt dir alles zu Füßen, man wird richtiggehend bewundert, und die Amerikaner sind ja auch so begeisterungsfähig. Wir hatten die sechs Oscar-Nominierungen, man wurde überall hin eingeladen – mein Gott, der neue Regisseur aus Deutschland! –, und es wurden einem alle möglichen Projekte zugeworfen. Aber wenn sich die Aufregung erst einmal ein wenig gelegt hat, dann merkt man, dass eben auch sehr viel heiße Luft da ist. Dass die Projekte gar nicht so realistisch sind. Es dauerte dann letztlich drei Jahre, bis für mich hier was passiert ist. Das war „Shattered“, leider kein Erfolg.

Aber dieser Misserfolg bedeutete damals nicht gleich das Karriereende?

Nein, und das rechne ich Hollywood hoch an – nach dem ersten Film, der nicht hinhaut, hätte man auch zu mir sagen können: Jetzt kannst du wieder nach Hause gehen. Aber erstens war ich sehr hartnäckig und blieb hier, bis es dann passierte – und ich wusste, es würde passieren. Und dann gab es hier eben auch ein paar Leute, die mir sagten: „Nee, nee, nee, selbst wenn dieser Film kein großer Erfolg war, ich fand ihn ganz gut.“ Und einer von diesen Leuten war dann Clint Eastwood, der mich zu „In the Line of Fire“ holte. Ich war natürlich begeistert, mit Eastwood arbeiten zu können! Das wurde ein Riesenhit. Dann kam „Outbreak“ und „Air Force One“, zwei weitere Blockbuster, da war dann der Knoten geplatzt.

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