Interview
„Wir sind nicht so stark betroffen wie andere Branchen“

Carl-Henric Svanberg ist Vorstandschef des Netzausrüsters Ericsson. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht er über die Auswirkungen der Rezession auf die Branche, Strategien zum Stromsparen und die Bedeutung des Umweltschutzes im Konkurrenzkampf der Ausrüster.

Herr Svanberg, welche Auswirkungen hat die Rezession auf Ericsson und die Branche?

Bisher haben wir kaum Auswirkungen gesehen. Wir gehen davon aus, dass unsere Branche nicht so stark betroffen sein wird wie andere Sektoren. Die meisten Anbieter sind heute in einer guten finanziellen Lage, die Netze sind gut ausgelastet und wir sehen, dass die Nachfrage nach neuen Netzen und dem Ausbau von Kapazitäten weiter zunimmt. Trotzdem wäre es fahrlässig anzunehmen, dass unsere Branche überhaupt nicht beeinträchtigt wird.

Sie sind sowohl Chef des Ausrüsters Ericsson als auch Miteigentümer des Handy-Herstellers Sony Ericsson. Wie unterscheiden sich die Folgen der Krise für die beiden Unternehmen?

Sony Ericsson hat die Rezession schon erwischt - so wie alle Handy-Hersteller. Aber Sony Ericsson verfügt über hohe Barmittel und die beiden Mutterkonzerne haben rechtzeitig die richtigen Maßnahmen ergriffen um die Kosten anzupassen, das Unternehmen wieder profitabel zu machen und unsere Position zu verteidigen.

Auch die Netzbetreiber wollen die Kosten senken und fordern sparsamere Netze. Wie wirkt sich das auf Ihr Geschäft aus?

Die aktuelle Konjunkturkrise verstärkt den Druck, die Kosten zu senken. Der Bedarf an Strom sparender Technik steigt in der Tat. Wenn die Infrastruktur aufgebaut ist, besteht der nächste Schritt darin, das Sparpotential beim täglichen Betrieb auszuschöpfen. Unsere Kunden fragen verstärkt Lösungen nach, die Einsparungen sowohl bei den Investitionen als auch beim Betriebsaufwand ermöglichen. Das bietet ein enormes Kostensenkungspotential für die Netzbetreiber: In einigen Märkten wie zum Beispiel in Uganda verschlingen die Energiekosten 50 Prozent aller Betriebsausgaben.

Wie genau sehen denn Strom sparende Lösungen aus?

In Marokko haben wir zum Beispiel solarbetriebene Basisstationen installiert, übrigens schon seit dem Jahr 2000. In Indien benutzen wir seit 2006 altes Frittieröl aus Restaurants, um die Generatoren von Antennenstandorten mit Energie zu versorgen. An vielen Standorten haben wir zudem eine Technik installiert, die in einen Schlafmodus verfällt, wenn wenig Betrieb auf den Netzen ist. Das senkt den Energieverbrauch um 15 bis 25 Prozent.

Sie verkaufen diese Produkte unter dem Label des Umweltschutzes. Machen sie denn wirklich einen nennenswerten Unterschied für das globale Klima?

Oh ja: Ericsson hat weltweit rund eine Million Basis-Stationen im GSM-Mobilfunknetz. Wenn die alle mit dieser Schlafmodus-Technik ausgestattet wären, würde der Kohlendioxid-Ausstoß um eine Million Tonnen pro Jahr sinken - das entspricht dem Ausstoß von 330 000 Autos, die jährlich 16 000 Kilometer zurücklegen. Insgesamt verbraucht unsere neue 3G-Technik heute nur noch 20 Prozent der Energie, die wir noch 2001 benötigt haben.

Ist der Umweltschutz ein Thema, mit dem sich europäische Anbieter preiswerte Konkurrenz aus Asien vom Leib halten können?

Nein, Energieeffizienz steht weltweit auf der Agenda der Telekomanbieter. Alle Kunden verlangen optimierte, Strom sparende mobile Netze. Kein Ausrüster kann langfristig erfolgreich sein, wenn er sich nicht in diesem Feld engagiert.

Das Gespräch führte Sandra Louven.

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