Investitionsentscheidung
Bei Siltronic wird künftig länger gearbeitet

Der Halbleiter-Zulieferer Siltronic investiert in die Fertigung von Siliziumscheiben für die Chipindustrie in Deutschland. Dafür arbeiten die Beschäftigten ohne Lohnausgleich künftig eineinhalb Stunden pro Woche länger.

HB MÜNCHEN. Die Fertigung von Siliziumscheiben (Wafern) mit einem Durchmesser von 300 Millimetern in Burghausen in Oberbayern und Freiberg in Sachsen werde mit Investitionen von 136 Mill. Euro ausgebaut, teilte das zur Münchener Wacker Chemie gehörende Unternehmen am Mittwoch mit. Dadurch entstünden 225 zusätzliche Arbeitsplätze. „Die Nachfrage nach 300-Millimeter-Wafern nimmt weltweit kontinuierlich zu“, begründete Vorstandschef Wilhelm Sittenthaler die Investitionsentscheidung.

Das Investitionsprogramm werde unterstützt durch einen neuen Tarifvertrag, erklärte Siltronic. Dieser sehe eine Verlängerung der Arbeitszeit auf 39 von 37,5 Stunden pro Woche vor. Der mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) ausgehandelte Vertrag mit fünf Jahren Laufzeit trete zum 1. Januar in Kraft. Der Standort Freiberg hat einen eigenen Tarifvertrag, der noch bis 2008 läuft und dann mit der neuen Vereinbarung zusammengeführt werde. Auch die außertariflich Beschäftigten, die leitenden Angestellten und der Vorstand leisteten einen finanziellen Beitrag, um die Investition in Deutschland möglich zu machen, hieß es.

Durch den Schritt werde die Fertigung von 300-Millimeter-Wafern in Burghausen von etwa 75 000 Stück um 60 000 Stück pro Monat ausgeweitet. In Freiberg werde die geplante Kapazität von 150 000 Wafern um ein Drittel ausgebaut.

Die Halbleiterindustrie produziert auf Siliziumscheiben wie denen von Siltronic ihre Chips. Das Münchener Unternehmen sieht sich im Zukunftssegment der 300-Millimeter-Wafer als der größte Hersteller außerhalb Japans. Im vergangenen Jahr hatte Siltronic einen operativen Verlust (Ebit) von 101 Mill. Euro verbucht und dies mit der erheblich schwächeren Chipkonjunktur begründet. Mittlerweile griffen aber die Umstrukturierungsmaßnahmen mit der Konzentration auf die 300-Millimeter-Technik, die einen bereits abgeschlossenen Stellenabbau in anderen Bereichen nach sich zog.

Branchenkreisen zufolge spricht Wacker Chemie mit mehreren Finanzinvestoren - darunter die Beteiligungsfirma Francisco mit dem ehemaligen Infineon-Chef Ulrich Schumacher als Partner - über einen Verkauf von Siltronic. Die Wacker-Tochter sollte Anfang 2004 an die Börse gehen, in letzter Sekunde blies Siltronic den Börsengang aber mangels Interesse von Investoren wieder ab.

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