Investitionsrechnung der Deutschen Telekom integriert ökologische Faktoren
Spagat zwischen Schuldentilgung und nachhaltigem Wirtschaften

Eine Ursache von Umweltproblemen ist, dass Luft, Wasser und Ökosysteme keinen Preis haben. Ihre Schädigung oder Zerstörung wird meist niemandem in Rechnung gestellt. Firmen, die freiwillig Verantwortung für von ihnen verursachte Umweltauswirkungen übernehmen, ohne vom Gesetzgeber gezwungen zu sein, sind selten. Das es sich ökonomisch lohnen kann, zeigt ein Beispiel aus der die Deutschen Telekom. Sie setzt nicht nur auf kostendämpfendes Energiesparen, sondern berücksichtigt beim Stromeinkauf auch ökologische Aspekte. Dadurch gelang es, Stromverbrauch und CO2-Emissionen voneinander zu entkoppeln.

BONN. Der Telekomanbieter ist ein Großverbraucher elektrischer Energie: 0,5% der deutschen Stromversor-gung gehen auf seine Kappe. Schon seit Mitte der 90er Jahre fühlt sich der Bonner Konzern verantwortlich für die dadurch entstehenden klimaschädlichen Gase. Seither rechnet er sich die bei der Erzeugung des von ihm benötigten Stroms entstehenden CO2-Emissionen als „indirekte“ E-missionsbelastung mit an. Meist halten sich Unternehmen nur für die Emissionen verantwortlich, die beim Heizen entstehen. Gemäß dem Kindermund: „Strom kommt aus der Steckdose.“

Weder Umweltorganisationen noch Aktionäre hätten die Telekom zum Handeln gedrängt, sagen Nachhal-tigkeitsanalysten. Das mache einen Teil ihrer Glaubwürdigkeit aus.

Ein erster Schritt zur Emissionsminderung waren starke Energiesparmaßnahmen, die auch betrieben wurden, um die Kosten zu senken. Anfang 2000 forderte der Vorstand zusätzlich, ökologische Aspekte beim Einkauf zu berücksichtigen. Den Anstoß hatte der Zentralbereich Umweltschutz gegeben. Dessen Leiter Ignacio Campino bleibt bescheiden: „Nur gemeinsam mit der Einkaufsabteilung kamen wir zu einer Lösung.“

Gemeinsam zerbrachen sie sich die Köpfe, wie man die Emissionen auf wirtschaftlich machbare Weise senken könne. Schließlich drückten den Konzern nach dem Kauf der UMTS-Mobilfunklizenzen hohe Schulden; der Vorstand hatte eine drastische Kostensenkung verordnet. „Daher durften keine Mehrkosten entstehen. Ökonomische und ökologische Nachhaltigkeit ist oft ein Spagat“, erläutert Campino den Zielkonflikt. Beim Energiemanagement gelang der Spagat schließlich.

Zunächst wurden verschiedenste Anlternativen entworfen, durchgerechnet, finanzielle und praktische Vor- und Nachteile erwogen. Auch wurden Nicht-Regierungsorganisationen und Forschungseinrichtungen beratend hinzu gezogen. Und es wurde heiß diskutiert, aber nicht über das Ziel, sondern über den Weg dorthin. Der auf den ersten Blick einfachste Weg, Strom nur aus erneuerbaren Energiequellen zu beziehen, fiel weg. Er wäre zu teuer, also wirtschaftlich nicht nachhaltig gewesen. Es schied auch die Variante aus, den Anbietern einen Energiemix vorzuschreiben. Das hätte den Anbieterkreis eingeschränkt oder zu verteuerten Ankäufen geführt. Zudem wäre die Einhaltung von Lieferzusagen nicht sicher zu kontrollieren gewesen.

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