Investor verschiebt Ziele Rockets Start-ups brauchen mehr Zeit

Eigentlich wollte Rocket Internet bis Ende 2017 drei Beteiligungen in die Gewinnzone führen. Doch daraus wird nun nichts – die Ziele werden verschoben. Den Anlegern gefällt diese Nachricht gar nicht.
Update: 30.11.2017 - 14:08 Uhr 1 Kommentar
In diesem Jahr sind mit Hello Fresh und dem Essens-Lieferdienst Delivery Hero zwei Beteiligungen an die Börse gegangen. Quelle: Reuters
Rocket Internet

In diesem Jahr sind mit Hello Fresh und dem Essens-Lieferdienst Delivery Hero zwei Beteiligungen an die Börse gegangen.

(Foto: Reuters)

BerlinRocket Internet will zunächst kein weiteres Geld für die Aktienkurspflege in die Hände nehmen. Es wäre nicht gut für das Unternehmen, wenn es Kaufmöglichkeiten nicht wahrnehmen könnte, nur weil die Mittel gerade in ein neues Aktienrückkaufprogramm fließen, sagte der Chef der Startup-Schmiede, Oliver Samwer, am Donnerstag auf einer Kapitalmarktveranstaltung. Auch einer baldigen Dividendenzahlung erteilte er eine Absage.

Zuvor hatten mehrere Analysten Samwer in ungewöhnlich deutlicher Art aufgefordert, entweder mehr eigene Anteilsscheine zu erwerben oder das Unternehmen sogar von der Börse zu nehmen. Auf Letzteres ging Samwer nicht weiter ein.

Die Rocket-Aktie gab zeitweise fast vier Prozent auf 19,86 Euro nach und war damit größter Verlierer im Kleinwerteindex SDax. 2014 war das Berliner Unternehmen mit einem Ausgabepreis von 42,50 Euro gestartet.

Auch die beiden Aktienmarktdebüts der Rocket-Beteiligungen HelloFresh und Delivery Hero sowie der im August angekündigte Aktienrückkauf im Umfang von bis zu 100 Millionen Euro sorgten jeweils nur für kurzen Auftrieb.

„Ich bin kein Dagobert Duck“

Samwer betonte: „Ich bin kein Dagobert Duck.“ Es gehe ihm nicht darum, das Geld zu horten. Ende Oktober hatte allein Rocket Internet gut 1,9 Milliarden Euro auf der hohen Kante.

Das sind die wertvollsten Start-ups der Welt
Platz 17: Spotify
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Eines der wertvollsten Start-ups der Welt wird in diesem Jahr wohl die Rangliste verlassen. Der Musikstreaming-Dienst Spotify setzt laut Medienberichten zu seinem seit langem erwarteten Börsengang an. Derzeit wird das Unternehmen aus Schweden mit 8,5 Milliarden Dollar bewertet, ein Börsengang könnte die Bewertung auf bis zu 20 Milliarden steigern. Der Dienst kommt nach eigenen Angaben auf mehr als 60 Millionen zahlende Abo-Kunden und mehr als 140 Millionen Nutzer insgesamt.

Quelle: WSJ Billion Dollar Club, Januar 2017

Platz 16. Theranos
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Mit nur 19 Jahren gründete Elizabeth Holmes (Bild) im Jahr 2003 die Firma Theranos. Mit einem kleinen Piekser in den Finger sollten innovative Technologien zuverlässige günstige Bluttests liefern. Doch dann wurden immer mehr Probleme mit den Bluttests bekannt. Ergebnisse wurden angezweifelt und letztlich als fehlerhaft zurückgezogen. 2017 konnte Theranos die folgenden Rechtstreite aber beilegen. Die letzte Finanzierungsrunde, die vor dem Skandal stattfand, bewertete das Unternehmen mit 9 Milliarden Dollar.

Platz 15: Stripe
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Die irischen Brüder Patrick (links) und John Collison gründeten 2009 das Start-up Stripe. Die Software-Plattform will Online-Zahlungsabwicklungen erleichtern und verarbeitet jährlich für Unternehmen in 25 Ländern Beträge in Milliardenhöhe. Selbst ist das Jungunternehmen 9,2 Milliarden Dollar wert.

Platz 14: DJI
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Frank Wang hat seinen Kindheitstraum wahr gemacht und sogar noch weiterentwickelt: Als er noch klein war, träumte er von einem Modell-Helikopter - als er einen besaß, crashte er ihn schnell. Doch er hielt an seinem Traum fest und gründete 2006 DJI, ein mittlerweile 10 Milliarden Dollar schweres Unternehmen, das Drohnen herstellt und verkauft. Mehr als 6000 Mitarbeiter arbeiten weltweit für die Chinesen.

Platz 13: Dropbox
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Wer hat noch keine Dateien per Dropbox verschickt? Das Start-up bietet eine Freigabe- und Speicherlösung von kleinen und großen Dateien. Drew Houston schrieb 2007 den ersten Softwarecode für Dropbox während einer Busfahrt von Boston nach New York. Mittlerweile nutzen über eine halbe Milliarde Menschen weltweit Dropbox. Das Unternehmen ist derzeit 10 Milliarden Dollar wert. Experten erwarten, dass bald ein Börsengang angekündigt wird.

Platz 12: Lyft
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Der 2012 gegründete Fahrdienst-Vermittler ist der größte Konkurrent von Platzhirsch Uber. Das Start-up ist in rund 300 US-Städten aktiv. Im Oktober 2017 steckte Google eine Milliarde Dollar in das Unternehmen. Damit stieg die Bewertung von Lyft auf 11,5 Milliarden Dollar. Ein Börsengang wird in diesem Jahr erwartet.

Platz 11: Flipkart
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Der virtuelle Marktplatz Flipkart ist das indische Pendant zu Amazon. Binny Bansal (rechts, mit Microsoft-Chef Satya Nadella) und Sachin Bansal arbeiteten vor der Gründung für den heutigen Konkurrenten Amazon, wollten dann aber eine E-Commerce-Webseite für Inder gründen. Indische Unternehmen investierten bereits drei Milliarden Dollar in das Start-up, das mittlerweile 11,6 Milliarden Dollar wert ist.

Unter Berücksichtigung der Beteiligungen an dem börsennotierten Kochbox-Versender HelloFresh und dem Essenslieferdienst Delivery Hero kommt Rocket auf etwa 3,8 Milliarden Euro. Samwer betonte, nach guten Investitionsmöglichkeiten Ausschau zu halten. Er könne sich auch vorstellen, sich an börsennotierten Unternehmen zu beteiligen.

Neben HelloFresh und Delivery Hero hält Rocket unter anderem am Online-Möbelhaus Home24, mehreren Online-Modehändlern und vielen kleineren Startups wie dem Cater-Vermittler Caterwings und dem Fintech Billie Anteile. Bisher schreiben alle diese Häuser rote Zahlen. Finanzchef Peter Kimpel sagte, dass vor allem der Möbelhändler Westwing kurz davor stehe, die Gewinnschwelle zu erreichen.

Zugleich schraubte Kimpel die Erwartungen zurück: „Wir werden bei einigen Startups das Ziel, bis Ende des Jahres profitabel zu sein, um einige Quartale verfehlen.“ Ursprünglich hatte Rocket geplant, dass bis Ende 2017 mindestens drei Jungfirmen die Gewinnschwelle knacken.

Alle großen Beteiligungen haben laut Rocket von Januar bis September ihre Profitabilität gesteigert. Der Umsatz legte in dem Zeitraum um 28 Prozent auf 1,85 Milliarden Euro zu. Rocket selbst rückte in den ersten neun Monaten näher an die Gewinnschwelle. Der Fehlbetrag im operativen Geschäft (Ebitda) verringerte sich auf 44 Millionen Euro von zuvor 642 Millionen Euro.

  • rtr
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1 Kommentar zu "Investor verschiebt Ziele: Rockets Start-ups brauchen mehr Zeit"

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  • Mal sehen wie das so mit Hello Fresh und Delivery Hero läuft, da wird ja noch ordentlich Geld verbrannt und es läuft nach dem Prinzip Hoffnung. Sollten die vorgenannten Beteiligungen nicht in näherer Zukunft eine schwarze Null schreiben wird Rocket die eigenen Anteile auch neu bewerten müssen.

    Selbst erfolgreiche Firmen aus dem ehemaligen Rocket Portfolio wie Zalando sind nicht gerade Ertragsperlen.

    Für die meisten Firmen aus dem Samwerreich gilt Umsatz ist der neue Gewinn.

    Die Akite von Rocket hat sich auch von 55 zu Zeiten des IPO auf derzeit nahe 20 € "entwickel" , nimmt für den gleichen Zeitraum einen großen Index wie S&P oder Dow zum Vergleich wird einem als Investor in Rocket wahrscheinlich schlecht.

    Das kommt halt dabei raus wenn man auf blumige Versprechungen der Samwes hört und Umsatz wichtiger findet als Gewinn.

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