Investoren-Einstieg soll verhindert werden
Suhrkamp-Chefin zieht vor Gericht

Mit einer Klage will die Suhrkamp-Chefin Ulla Unseld-Berkéwicz den Einstieg der Hamburger Investoren Hans Barlach und Claus Grossner in das Frankfurter Verlagshaus verhindern.

HB HANBURG/FRANKFURT. Sie strenge umgehend eine Ausschließungsklage gegen den Gesellschafter Volkart Holding/Medienholding Winterthur AG an, teilte der Verlag am Donnerstag in Frankfurt mit und bestätigte damit einen Bericht des Münchner Nachrichtenmagazins „Focus“. „Die Klage wird erhoben“, sagte ein Verlagssprecher in Frankfurt. Barlach und Grossner haben die Mehrheit der Winterthur-Anteile von 29 Prozent an der Verlagsgruppe von dem Schweizer Unternehmer Andreas Reinhart erworben.

Vorstand und Rat der Siegfried und Ulla Unseld-Familienstiftung unterstützten mit Nachdruck die Klage-Absicht von Unseld-Berkéwicz, heißt es in einer Mitteilung des Verlags. Außerdem verurteilten sie „die Diffamierung der Verlegerin durch Hans Barlach und Claus Grossner, die sich als neue Anteilseigner bezeichnen, und auch die von Andreas Reinhart aufs schärfste“.

Es werde versucht, „ein wirtschaftlich vollkommen gesundes Unternehmen krank zu reden durch solche, die sich als neue Minderheitsgesellschafter ausgeben“, stellten Stiftungsvorstand und - rat nach einer Sitzung in Berlin fest. Trotz mehrfacher Aufforderung, die Anteilseigner der Holding zu nennen, habe die Stiftung als Mehrheitsgesellschafterin die schuldige Antwort nicht erhalten. „Seit Gründung des Verlags gilt, dass kein Gesellschafter ohne Zustimmung der anderen Gesellschafter, gleich auf welchem Wege, Anteile an den Verlagen Suhrkamp Insel veräußern darf.“ Stiftungsvorstand und -rat sprachen Unseld-Berkéwicz ihr volles Vertrauen aus.

Suhrkamp-Anwalt Heinrich Lübbert hofft dem „Focus“ zufolge auf eine Entscheidung der zuständigen Frankfurter Gerichte im Laufe des neuen Jahres. Ziel sei es, die AG aus der Gesellschaft auszuschließen. Deren Anteile würden im Erfolgsfall den anderen Gesellschaftern gegen eine Abfindung zufallen.

Die Klage stützt sich auf drei Argumente, jedes davon sei hinreichend für einen Ausschluss, sagte Lübbert dem „Focus“. Eines davon sei die Zustimmungserfordernis. Die Transaktion hätte nach deutschem Recht aber auch durch die Mitgesellschafter genehmigt werden müssen, obwohl sie in der Schweiz stattgefunden hat, weil sie die Gesellschafterstruktur bei Suhrkamp mittelbar betreffe. Drittens hätten sich die neuen Aktionäre massiv gesellschaftsschädigend verhalten. Dabei bezieht er sich auf Interviews, in denen die Hamburger Investoren Unseld-Berkéwicz Missmanagement vorgeworfen und dies mit Details aus der Bilanz zu belegen versucht hatten.

Ulla Unseld-Berkéwicz warf in einem „Focus“-Interview Grossner und Barlach „Rufmord“ vor. Die „feindliche Übernahme“ werde nicht gelingen. „Leere Drohungen können mich nicht schrecken. Ich habe von einer weiteren Prüfung der Bilanzen, die ja, wie gesetzlich vorgeschrieben, bereits vorgenommen ist, nichts zu befürchten.“ Sie werde zu Grossner und Barlach keinen Kontakt aufnehmen, betonte sie.

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