iPad2-Verkaufsstart
Die Jünger Apples und das Ende des Wartens auf Weiß

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New York„Verrückt“, sagt Officer Michael Devito,  „einfach nur verrückt“.

Der Polizeibeamte nickt in Richtung Drängelgitter. Hunderte stehen dort an, im Zickzack reihen sie sich auf vor dem Apple-Laden, sie wollen ein iPad 2 kaufen. Weitere Hunderte schlängeln sich einmal rund um den Block. Und New Yorker Straßenblöcke sind lang.

„Die erste kam vor zwei Tagen“, erzählt der Officer. „Eine junge Frau, Mitte Zwanzig. Hat hier übernachtet. Und das bei dem Regen und Sturm. Heute hat sie Ihren Platz verkauft. Für 900 Dollar.“

New York, Fifth Avenue, Ecke Central Park. Hier zeigt sich New York besonders glitzernd, im Umkreis von wenigen hundert Metern gibt es die exklusivsten Schmuckläden und Modeboutiquen, die teuersten Hotelsuiten, die Geschäfte tragen goldene Schilder. Hier hat auch Kultfirma Apple ihren weltweiten Vorzeigeladen Nummer eins: Auf einem kleinen Platz ragt ein gläserner Kubus in die Luft, darin hängt ein leuchtender, weißer, angebissener Apfel. Eine Treppe hinunter geht es dann in die unterirdischen Katakomben des Verkaufs. Dies hier ist das Apfeldrom, die Kathedrale der Apfeljünger, und der Apfel hinter Glas wirkt ein wenig wie eine Hostie in einer Monstranz. Nur in einer moderneren Variante.

Joe Cruz wartet auf seinen Sohn Joe junior. „Er ist der zweite in der Schlange“, sagt er mit einer Mischung aus Stolz und Kopfschütteln, 17 Jahre alt ist der Junge, zwei Tage hat er die Schule geschwänzt, jetzt will Joe senior ihn endlich wieder mitnehmen nach Hause in Brooklyn, er hatte genug damit zu tun, die Mutter zu beruhigen. Warum macht Joe Junior das? „War wohl 'ne Erfahrung, die er mal machen wollte“, murmelt Joe. Er ist der Typ verständnisvoller Vater. „Er liebt Apple. Er hat einfach alles von Apple, iPod, iPad, iMac, einfach alles.“

Eine Armada von Verkäufern bietet Apple auf, junge Leute, Sie tragen einheitlich blaue T-Shirts mit einem weißen Apfellogo auf der Brust. Sie bilden ein Spalier für die Käufer. Unten im Verkaufssaal haben sie sich aufgestellt wie ein Chor. Sie tragen ein Lächeln auf den Lippen, und das wirkt nicht einmal aufgesetzt. Sie sind die Messdiener des Apfel-Glaubens.

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