iPhone-Lieferant in der Krise
Sanierungsgutachten für Balda

Erst waren es nur die defizitären Tochtergesellschaften, jetzt ist offenbar die gesamte Balda-Gruppe ein Sanierungsfall. Laut Geschäftsbericht wurde für den ostwestfälischen Handyausrüster bereits ein entsprechendes Gutachten in Auftrag gegeben. Für die Aktionäre bleibt die Balda-Aktie der Stoff, aus dem Alpträume sind.

DÜSSELDORF. Die schlechten Nachrichten beim Handyausrüster Balda reißen nicht ab. Der Verlust aus Tochtergesellschaften, die man längst verkauft haben wollte, ist mit 64 Mill. Euro noch weit höher, als bisher angenommen. Balda ist inzwischen so sehr unter Druck, dass man sich auch von der Medizintechnik trennen will. Dabei bezeichnet der Vorstand diese Sparte noch in dem am Dienstag vorgelegten Geschäftsbericht als erfolgreiches Standbein seiner Zukunftsstrategie.

Insgesamt weist Balda für 2007 bei einem Umsatz von 309 Mill. Euro einen Jahresfehlbetrag von 73,3 Mill. Euro aus. Die Lage ist so prekär, dass nun ein Sanierungsgutachten für die gesamte Balda-Gruppe in Auftrag gegeben wurde - so steht es im Geschäftsbericht. Um dieses zu erstellen, hätten sich die finanzierenden Banken bereit erklärt, auf die Kündigungsrechte für ihre Kreditverträge mit Balda bis zum 16. Juni zu verzichten. Was nach dem 16. Juni passiert, ist unklar.

Balda-Chef Joachim Gut blieb eine Erklärung für die Krise weitgehend schuldig. Balda hatte sein europäisches Infocom-Geschäft zum 31. Dezember 2007 abgegeben, sich aber noch zur Übernahme der Verluste 2007 bereit erklärt. Gut hatte in der Vergangenheit stets behauptet, diese Kosten wären mit einem niedrigen zweistelligen Millionenbetrag abgedeckt. Der Käufer aber wollte die Verluste weit höher ausweisen. Balda bezeichnete dies als ungerechtfertigt und machte das Geschäft schließlich rückgängig.

Am Dienstag nun gab Balda die Verluste des Infocom-Geschäfts plötzlich als noch viel höher an - nämlich mit 64 Mill. Euro. Neben operativen Verlusten von 32 Mill. Euro gab es 13 Mill. Euro an Wertberichtigungen und 19 Mill. Euro, die über von Ergebnisabführungsverträge fällig wurden. Balda war für eine Erläuterung dieser Zahlen nicht erreichbar.

Auch mehrere Analysten konnten sich das Gewirr um den gescheiterten Verkauf nicht erklären. Thomas Langer von der WestLB allerdings hält eine andere Erkenntnis aus der Bilanzvorlage für wichtiger. "Das wirklich Schlimme ist, dass es bei Balda auch in dem neuen Geschäft nicht läuft", sagt der Analyst. So habe Balda im vierten Quartal in Asien operativ Geld verloren. Balda stellt in China Touch-Screens her - unter anderem für das iPhone von Apple. Balda sieht in dieser Technologie großes Potential und hatte das Geschäft stets als margenstark bezeichnet.

Beim Ausblick für 2008 blieb Vorstandschef Gut verhalten. Das erste Halbjahr werde traditionell schwach verlaufen, sagte er. Insgesamt erwarte er einen Vorsteuergewinn von 35 Mill. Dollar. Bei dieser Prognose allerdings war Balda von einem Wechselkurs von 1,45 Dollar pro Euro ausgegangen, aktuell steht der Dollar deutlich schlechter - bei 1,59 Euro.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%