iPhone-Software
Google belastet Apple schwer

Hat Apple gelogen? Der kalifornische High-Tech-Konzern hatte offenbar doch die Aufnahme einer Internet-Telefonsoftware von Google für Apples iPhone in den Onlineshop "AppStore" bereits endgültig abgelehnt, als man noch angab, man prüfe den Vorgang. Das jedenfalls geht aus einer überraschend veröffentlichten Erklärung Googles gegenüber der US-Telekombehörde hervor. Apple bleibt allerdings bei seiner Version, dass man die strittige Software noch prüfe. Das Verhältnis zwischen den beiden früheren Freunden steht vor einer harten Zerreißprobe.

LOS ANGELES. Die Software Google Voice hätte über das iPhone und das AT&T-Mobilfunknetz extrem günstige Telefongespräche über das Internet ("VoIP") ermöglicht. Das hätte dem Exklusiv-Vertriebspartner AT&T geschadet, der Mindereinnahmen bei Telefongebühren befürchten müsste. Nach der Ablehnung der Software hatte es Proteste unter iPhone-Nutzern gegeben, und die US-Telekom-Aufsichtsbehörde FCC leitete Ermittlungen wegen möglicher Wettbewerbsbehinderungen ein.

Die Angelegenheit hat dadurch eine enorme Reichweite bekommen: Im Kern geht es bereits darum, ob es Dritten ungehindert möglich sein muss, die Mobilfunknetze der Telekom-Netzbetreiber für ihre Services zu nutzen. In einem anderen Fall musste Skype die Internettelefon-Funktionen seiner iPhone-Software beschneiden: Internet-Telefonate per Skype sind nicht über das Mobilfunknetz, sondern nur über WiFi-Hotspots möglich.

Apple, so Google in den Mitteilungen an die Telekombehörde, habe in einer Reihe von Gesprächen und E-Mails zwischen dem 5. und 28. Juli klar zu erkennen gegeben, dass man die im Juni eingereichte Software ablehne, weil sie Kernelemnente der iPhone-Telefonsoftware durch Google-Code ersetze und die Nutzer verwirren könnte. Apple-Produktchef Phil Schiller teilte demnach seinem Google-Gesprächspartner am 7. Juli telefonisch mit, man werde Google Voice deshalb ablehnen. Ende August erklärte Apple jedoch noch öffentlich, dass man "entgegen anders lautenden Veröffentlichungen" die Software noch nicht abgelehnt habe, sondern weiter prüfe.

Nur wenig später mußte Google-CEO Eric Schmidt das Board von Apple verlassen, dem er seit drei Jahren angehört hatte. Nun kartet Google zurück: In dem auf den 21. August datierten Schreiben war zunächst noch ausdrücklich darum gebeten worden, die Passagen über die Gespräche mit Google als vertraulich zu behandeln. Nun sind sie öffentlich. Das Tischtuch der beiden erfolgreichen Partner ist endgültig zerschnitten. Nicht zuletzt die enge Verzahnung mit Google-Diensten hatte zu dem großen Erfolg des iPhones beigetragen. Die Partnerschaft bekam erste ernste Risse, als Google begann mit "Android" eine eigene Konkurrenz zum iPhone zu entwickeln.

Ein Apple-Sprecher betonte am Freitag, dass man nicht mit allen Äußerungen Google in dem FCC-Brief übereinstimme. Man bleibe dabei, dass die Aufnahme der Software in den AppStore weiter diskutiert werde.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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