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16.06.2008 
Agressive Vermarktung

iPhone soll Telekom Wachstumsschub bescheren

von Hans-Peter Siebenhaar

Vorneweg dank Apple? Mit dem neuen Super-Handy will T-Mobile-Deutschlandchef Humm deutlich mehr Geschäftskunden anlocken und dem Platzhirsch Blackberry Konkurrenz machen. Dafür senkt er sogar massiv die Preise. Das Geld soll über mobile Datendienste wieder rein kommen.

Bisher blieb der Erfolg des iPhones in Deutschland hinter den Erwartungen zurück. Foto: dpaLupe

Bisher blieb der Erfolg des iPhones in Deutschland hinter den Erwartungen zurück. Foto: dpa

BONN. Das neue Apple-Handy iPhone 3G mit schnellem Internetzugang soll die Mobilfunktochter der Deutschen Telekom beflügeln. T-Mobile erwartet durch das Multimedia-Handy eine starke Zunahme bei den lukrativen Geschäftskunden. „Durch das iPhone 3G werden wir im Bereich der Geschäftskunden unsere Marktstellung ausbauen“, sagte Philipp Humm, Deutschlandchef von T-Mobile, dem Handelsblatt. „Wir haben bereits Anfragen von großen Geschäftskunden beispielsweise aus der Beratungsbranche. Wir sind zuversichtlich“, berichtet der frühere Unternehmensberater, der auf der morgen beginnenden Handelsblatt-Tagung Telekommunikation in Düsseldorf sprechen wird. Der Optimismus des T-Mobile-Chefs stößt allerdings bei Branchenexperten auf Skepsis. „Ich glaube nicht, dass das neue iPhone bei den Geschäftskunden den Konkurrenten Blackberry schnell verdrängen wird. Das ist eine mittelfristige Herausforderung“, sagt Analyst Thomas Friedrich von der Hypo-Vereinsbank.

T-Mobile wird ab 11. Juli das neue iPhone in Deutschland exklusiv verkaufen. Die zweite Version des Multimediahandys soll dann schon für einen Euro zu haben sein. Voraussetzung sei dafür aber, dass der Kunde einen Zwei-Jahres-Vertrag mit dem teuersten monatlichen Tarif von 89 Euro schließt. Zum Start der ersten Generation in Deutschland im vergangenen November hatte das iPhone noch mindestens 399 Euro gekostet.

Für das neue iPhone 3G mit 16 Gigabyte müssen Technikbegeisterte knapp 250 Euro auf den Ladentisch legen, als Grundpreis pro Monat werden dem Kunden dann 29 Euro in Rechnung gestellt, wie aus einer Pressemitteilung der Telekom-Tochter T-Mobile vom Montag hervorgeht.

Die Telekom will mit dem neuen Gerät, das auch über einen GPS-Chip für die Navigation verfügt, umsatzstarke Kunden aus der Wirtschaft anlocken. Bislang wird vor allem der Markt der Geschäftskunden vom kanadischen Hersteller RIM mit seinem beliebten Blackberry beherrscht.

Auch für das iPhone der ersten Generation hatte T-Mobile die exklusiven Vertriebsrechte. Der Verkauf des Handys mit einem speziellen Vertrag blieb aber hinter den Erwartungen unabhängiger Beobachter zurück. Zuletzt hatte T-Mobile im Januar berichtet, dass mehr als 100 000 iPhones verkauft worden seien. Seitdem schweigt sich der Mobilfunkkonzern aus. Humm beteuert unterdessen die Zufriedenheit über die Zusammenarbeit mit Apple: „Bereits das erste iPhone hat sich für uns gelohnt. Denn dadurch haben wir Kunden gewonnen, die das mobile Internet 30fach öfter nutzen als herkömmliche T-Mobile-Kunden.“

T-Mobile verkauft das iPhone mit einem Zwei-Jahres-Vertrag und einer eingebauten Sperre, im Branchenjargon Sim-Lock genannt. Die Dunkelziffer der importierten iPhones, deren Sim-Lock geknackt wurde, ist allerdings hoch. „Wir registrieren in unseren Netzen rund 30 000 iPhone-Nutzer“, heißt es bei Vodafone.

Wenn das neue iPhone in die Läden kommen wird, sollen die exklusiven Altkunden nicht leer ausgehen. T-Mobile will nach eigenen Angaben Angebote für einen preiswerten Kauf des neuen Apple-Handys machen. In der Branche wird ein Preis von 99 Euro genannt. Die Telekom wollte die Offerte nicht bestätigen.

Der Magenta-Konzern hat ein großes Interesse am schnellen Markterfolg. Denn das Geschäft mit Telefongesprächen stagnierte nahezu im ersten Quartal. Durch eine verstärkte Nutzung des mobilen Internets soll nun der Umsatz und die Rendite wieder wachsen. „Der Wachstumsmarkt ist weiterhin der Datentransfer“, sagte Humm. Er prognostiziert eine deutliche Zunahme des Herunterladens von Filmen von Videoplattformen wie Youtube. „Wir sind an einer Zeitenwende. In diesem Jahr erreicht das Volumen von verschickten Daten erstmals das Niveau der SMS-Nutzung. Wir erwarten bei den Nicht-SMS-Daten in den nächsten Jahren ein zweistelliges Wachstum“, sagt er.

2007 sank der Umsatz von T-Mobile wegen des harten Preiskampfes in der Mobilfunkbranche um 2,7 Prozent auf knapp acht Mrd. Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern ging sogar noch stärker als die Erlöse zurück. Das Ebit brach 2007 um mehr als elf Prozent auf 2,9 Mrd. Euro ein.

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