„Isis Wallet“
Wenn ein Unternehmen wie eine Terrorgruppe heißt

Was hat ein amerikanisches Software-Unternehmen mit der gefürchteten Terrorgruppe „Islamischer Staat“ zu tun? Eigentlich nichts. Bis auf die Tatsache, dass man sich den Namen teilt.
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Einfach und bequem mit dem Smartphone zahlen – „Isis Wallet“ macht’s möglich. Das Joint Venture aus AT&T Mobility, T-Mobile US und Verizon, das 2010 gegründet wurde, bietet die App „Isis Mobile Wallet“ an, mit der Kunden in den USA in zahlreichen Geschäften bargeldlos einkaufen können.

Seit Wochen berichten Medien in aller Welt tagtäglich über „Isis“. Gemeint ist in diesem Fall allerdings nicht das mobile Zahlungssystem, das man sich mit wenigen Klicks aufs Phone lädt, sondern die Terrorgruppe „Islamischer Staat in Irak und Syrien“, die im Irak Angst und Schrecken verbreitet. Zwar nennen sich die Terroristen selbst inzwischen „IS“ für „Islamischer Staat“. Die Abkürzung „Isis“ wird aber immer noch verwendet und weckt äußerst negative Gefühle.

Bei Twitter werden deswegen immer öfter Beschwerden laut. „Hey, das ist ein brutaler Name für eine App“, schreibt ein Nutzer. Ein anderer meint, allein der Name der App sei ein Grund, die Software nicht zu benutzen und lieber ganz auf Bitcoins als virtuelle Währung zu setzen. Tatsächlich mutet es mehr als zynisch an, wenn die App auf dem Smartphone startet und ein Bildchen auf magentafarbenem Hintergrund fröhlich verkündet, dass „Isis gerade lädt“.

Das finden wohl auch die Chefs von „Isis Wallet“. Bereits Anfang Juli verkündete CEO Michael Abbott, man werde den Markennamen ändern. Dies sei kein leichter Schritt. „Aber wir wissen, dass es die richtige Entscheidung ist – für unsere Geschäftspartner, unsere Kunden und unser Unternehmen.“ Den Namen „Isis“ habe man übrigens gewählt, weil er gut geeignet schien, um die neue Marke auf dem amerikanischen Markt einzuführen. Mit einer Terrorgruppe wolle man aber keinesfalls in Verbindung gebracht werden.

Einen neuen Namen zu finden, das scheint jedoch gar nicht so einfach zu sein. „Isis Wallet“ heißt jedenfalls weiterhin „Isis Wallet“ – und befindet sich damit in gar nicht guter Gesellschaft: Als Firmen- oder Markenname kommt „Isis“ relativ häufig vor. An den deutschen Börsen werden aktuell zum Beispiel Aktien des Pharma-Unternehmens „Isis Pharmaceuticals“ oder des Startup-Unternehmens „Isis Lab Corp“ gehandelt. Auch eine 1997 gegründete US-amerikanische Rockband nennt sich „Isis“ – und wurde bei Twitter und Facebook bereits für den Namen kritisiert. In Großbritannien sorgte derweil die neue „Isis“-Wäschekollektion von Ann Summers für Aufregung. In der ägyptischen Mythologie ist „Isis“ übrigens die Göttin der Geburt und der Magie.

Tina Halberschmidt, Social-Media-Redakteurin
Tina Halberschmidt
Handelsblatt / Teamleiterin und Redakteurin Social Media

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