Israelische IT-Firma
Google und Facebook buhlen um Navi-Startup

Ein Bieterkampf steht bevor: Die Internetriesen Facebook und Google sind interessiert am israelischen Kartendienst Waze. Angepeilt wird als Kaufpreis über eine Milliarde Dollar. Apple nimmt nicht an den Gesprächen teil.
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WashingtonIm Kampf um Werbeeinnahmen auf mobilen Geräten steuern Google und Facebook möglicherweise auf einen milliardenschweren Bieterkampf um ein israelisches Navigations-Startup zu. Google erwäge ein Gebot für die auf mobile Kartendienste spezialisierte Firma Waze, meldete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Eingeweihte. Waze peile einen Verkaufspreis von mehr als einer Milliarde Dollar an und spreche mit mehreren Interessenten, die sich nach Bekanntwerden erster Gespräche mit Facebook gemeldet hätten. Eine Einigung stehe aber nicht unmittelbar bevor, zumal Waze sich noch entscheiden könne, doch eigenständig zu bleiben.

Zusatzdienste, die auf Smartphones oder Tablet-PCs genutzt werden können, werden für Technologiekonzerne wie Google, Yahoo oder eben das größte Online-Netzwerk Facebook immer wichtiger. Denn mit ihnen steigen auch die Nutzung von mobilen Geräten und damit die potenziellen Werbeeinnahmen, die über sie generiert werden können. Yahoo, das sich gerade erst für 1,1 Milliarden Dollar die Blogging-Plattform Tumblr einverleibte, gehört laut Bloomberg nicht zu den Bietern für Waze. Der Internet-Pionier betreibt einen eigenen Kartendienst. Google und Waze waren zunächst für ein Kommentar nicht zu erreichen.

Waze nutzt die Satelliten-Signale der Smartphones, um den Nutzern Karten- und Verkehrsdaten in Echtzeit zur Verfügung zu stellen. Das erst vor vier Jahren gegründete Unternehmen hat 47 Millionen Mitglieder und 100 Mitarbeiter.

Nicht so viel Glück hat Google bislang mit seinem letzten großen Zukauf - der Smartphone-Tochter Motorola Mobility. Für diese hatte der weltgrößte Suchmaschinen-Betreiber Mitte 2012 satte 12,5 Milliarden Dollar hingelegt. Bislang ist es Google aber nicht gelungen, das Unternehmen wieder in die Gewinnzone zu bringen. Jetzt hat Motorola Mobility auch noch einen jahrelangen Patentstreit mit Microsoft verloren, in dem es um die Spiele-Konsole Xbox ging. Die Internationale Handelskommission ITC stellte am Donnerstag in letzter Instanz fest, dass der Software-Riese mit seiner Konsole kein Patent verletze, das Motorola Mobility gehöre.

Damit endet ein seit Ende 2010 währender Rechtsstreit zwischen den beiden US-Firmen. Motorola und Google zeigten sich enttäuscht. Die beiden Unternehmen prüften nun ihre Optionen, sagte ein Sprecher.

Zwischen Google, Apple, Microsoft und anderen Technologiekonzernen tobt weltweit ein Patentkrieg an mehreren Fronten. Die Unternehmen haben Milliardensummen unter anderem in Firmen-Übernahmen gesteckt, um sich dabei mit Lizenzrechten etwa für Smartphones und Tablets zu stärken.

Ärger droht Google auch in seinem Anzeigen-Geschäft wegen möglichen Machtmissbrauchs. Wie eine mit der Angelegenheit vertraute Person Reuters sagte, überprüft die US-Kartellbehörde FTC derzeit die entsprechenden Geschäftspraktiken. Die Untersuchung betreffe hauptsächlich die Tochter Doubleclick, die seit 2007 zum Konzern gehört. Andere Werbe-Spezialisten hätten sich bei der FTC über Google beschwert, das bislang nicht über die Prüfung unterrichtet worden sei, sagte eine weitere Person. Google und FTC wollten sich nicht äußern. Laut dem Marktforschungsinstitut eMarketer war Google 2012 mit einem Anteil von rund 15 Prozent Marktführer im 15 Milliarden Dollar schweren Internet-Werbemarkt. Facebook kam auf 14,6 Prozent. Es wird erwartet, dass Google seine Position bis 2014 auf mehr als 20 Prozent ausbaut.

Erst zu Beginn des Jahres hatte die FTC nach knapp zweijährigen Ermittlungen ein Verfahren wegen angeblichen Machtmissbrauchs von Google eingestellt. Die US-Behörde kam zu dem Schluss, dass die Google-Suchmaschine die Ergebnisse nicht manipuliert, um eigene Produkte zu bevorzugen. Ein Verfahren in Europa läuft noch.

(Reporter: Krithika Krishnamurty und Diane Bartz,; geschrieben von Nikola Rotscheroth, Elke Ahlswede und Christina Amann, redigiert von Christian Krämer)

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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