Ist SAP stark genug für einen Alleingang?
Solo für deutschen Software-Stern SAP

Das heikle Thema hatte Microsoft-Gründer Bill Gates höchstpersönlich Monate zuvor in einer internen Mail an Ballmer angestoßen: „Es wäre an der Zeit, SAP zu kaufen“, schrieb Gates. Ballmer handelte prompt, nahm Kontakt zu Kagermann auf. Wie ernst beide Seiten das Thema angingen, zeigt die Tatsache, dass sie zahlreiche Fusionsspezialisten zu den Gesprächen hinzuzogen. „Geklärt werden sollten gleich auch kartellrechtliche Fragen“, heißt es aus Anwaltskreisen.

HB FRANKFURT. Zwar scheiterte der Deal am Ende nach offizieller Lesart an „unüberwindbaren Integrationsproblemen“. Doch es bleiben Fragen: Markieren die Treffen den Beginn einer neuen Ära in der weltweiten Software-Industrie, in der die Terrains ganz neu abgesteckt werden? Und welche Rolle spielt dabei SAP künftig? Sind die Walldorfer stark genug für einen Alleingang? Oder droht doch noch eine Übernahme, womöglich durch IBM?

Wenn SAP-Vorstandsmitglied Shai Agassi in diesen Tagen derartige Fragen hört, dann setzt er sein breitestes Grinsen auf und fläzt sich besonders lässig in den schwarzen Leder-Corbusier. Der 35-Jährige ist eher klein gewachsen und schmächtig. Agassi stammt aus Israel, hat einen klaren, fast schon durchdringenden Blick und pechschwarze Haare. Gerne trägt er dazu einen schwarzen Pulli und eine schwarze Hose. Ein Pessimist ist der Mann, der bei SAP im Führungsgremium verantwortlich ist für die Technologieplattform NetWeaver und für die Produktentwicklung im Mittelstand, aber nicht. „Das sind alles gute Fragen, aber wichtig ist die Schwerkraft. SAP hat genügend Schwerkraft, Größe alleine entscheidet nicht“, sagt er und lächelt. Was er wohl meint: Mit der breiten Kundenbasis, über 20 000 Firmen setzen auf SAP-Programme, ist die Firma auf fremde Hilfe nicht angewiesen.

Auch wenn die Diskussion über sinkende Wachstumsaussichten für die Software-Industrie immer wieder aufkeimt, ist von Hoffnungslosigkeit oder gar Zukunftsangst gerade bei Agassi und seinen SAP-Vorstandskollegen nichts zu spüren. Die Geschäfte laufen ordentlich. In Europa könnten die Umsätze zwar ein wenig schneller anziehen. Dafür rennen die Kunden den Nordbadenern in Amerika, einem für SAP über viele Jahre schwierigen Markt, derzeit geradezu die Bude ein.

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