IT-Branche
Microsoft und Yahoo paktieren gegen Google

Lange hat es gedauert. Schon oft war sie totgesagt, nun hat es doch noch geklappt mit der Allianz zwischen Microsoft und Yahoo. Allerdings fällt die Zusammenarbeit deutlich kleiner aus als gedacht.

Und es hat „Bing“ gemacht: Microsoft übernimmt das Suchmaschinengeschäft des angeschlagenen Internet-Pioniers Yahoo. Damit wird Microsofts Suchmaschine „Bing“ zum zweitgrößten Suchanbieter der Welt hinter Google. Im Gegenzug wird Yahoo an den Werbeeinnahmen beteiligt und zentraler Ansprechpartner für Großkunden bei der Suchmaschinenwerbung, wie beide Unternehmen gestern mitteilten.

Die Vereinbarung hat eine Laufzeit von zehn Jahren und steht noch unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch die Kartellbehörden. Diese wird bis Anfang 2010 erwartet. Der Vertrag beendet ein anderthalb Jahre währendes Tauziehen, das 2008 mit einem – später gescheiterten – Übernahmeangebot Microsofts begonnen hatte. Durch die Übernahme Yahoos wollte der Software-Konzern den Rückstand auf Google verkürzen. Das ist jetzt auch gelungen, nur auf anderem Weg. „Diese Kooperation wird eine deutlich sichtbare Nummer zwei im Markt schaffen, als Alternative zu Google oder zumindest, um Werbeideen auch mal außerhalb des Google-Reichs zu testen“, sagt Forrester-Analsytin Rebecca Jennings. Forrester erwartet im Markt für Suchwortwerbung ein jährliches Wachstum von 15 Prozent auf rund 30 Mrd. Dollar allein in den USA bis zum Jahr 2014.

Zu Handelsbeginn gaben Yahoo-Aktien deutlich nach, auch der Google-Kurs sank. Lediglich Microsoft konnte leicht zulegen. Neil MacDonald Lead-Analyst Microsoft bei Gartner gegenüber dem Handelsblatt: „Microsoft hat definitiv die besseren Konditionen bekommen. Aber auch für Yahoo war dies die einzig richtige Lösung.“ David Mitchell, Analyst bei Ovum in London: „Beide, vor allem aber Yahoo, hätten bessere Ergebnisse erzielen können, wenn sie nicht so lange gewartet hätten.“ Yahoo hatte im vergangenen Jahr trotz erheblicher Investitionen kontinuierlich weiter Boden gegen den Marktführer bei der Internetsuche, Google, verloren.

Jetzt musste Yahoo deswegen große Zugeständnisse machen, um zwei Ziele zu erreichen: Erhalt der Eigenständigkeit und Verbesserung der Gewinnsituation. Nach Aussagen von Yahoo-CEO Carol Bartz wird die Vereinbarung nach der Umsetzung einen zusätzlichen operativen Gewinn von rund 500 Mio. Dollar jährlich bringen und eine Kostenersparnis von rund 200 Mio. Dollar. Der operative Cash-Flow soll sich um rund 275 Mio. Dollar verbessern.

Zumindest für die ersten Jahre scheinen die Werte realistisch: Microsoft überlässt in den ersten fünf Jahren Yahoo ganze 88 Prozent der Werbeeinnahmen, die auf den Yahoo-Suchseiten erzielt werden und garantiert über 18 Monate zusätzlich ein nicht weiter spezifiziertes Fixeinkommen. Diese Lösung sei besser als eine Einmalzahlung in Milliardenhöhe, die lange im Raum stand, so Bartz. „Wir brauchen langfristige Einnahmeströme, die unsere Kostenseite unterstützen.“ Die Kooperation mit Microsoft gebe dem Unternehmen die Chance, hohe Investitionen in Suchtechnologien und Datencenter zu sparen und sich auf „andere wichtige Bereiche zu konzentrieren.“ Erst vor wenigen Tagen hatte Bartz angekündigt, sie werde im laufenden Quartal über 75 Mio. Dollar für Investitionen bereit stellen, darunter Mittel für Mitarbeiter im Software- und Vertriebs-Bereich. Analyst MacDonald hält die Erwartungen Yahoos sogar eher noch für „konservativ geschätzt.“

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