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23.08.2006 
Wachstumsgrenze erreicht

IT-Dienstleister sind auf Brautschau

von Jens Koenen

Ungeachtet einer wieder leicht anziehenden Nachfrage stehen die IT-Dienstleister nach Ansicht von Experten vor einer neuen Konsolidierungswelle. Trotz positiver Ergebnisse in den lokalen Märkten, stoßen viele regionale Anbieter an ihre Wachstumsgrenzen. Das öffnet den Blick für Übernahmen und Fusionen.

Mitarbeiter von Siemens Business Service (SBS): Die Siemens-Tochter gilt als Übernahmekandidat. Foto: dpaLupe

Mitarbeiter von Siemens Business Service (SBS): Die Siemens-Tochter gilt als Übernahmekandidat. Foto: dpa

FRANKFURT. „Viele lokale Anbieter sind zwar stark in ihren lokalen Märkten, stoßen hier aber an ihre Wachstumsgrenzen“, sagt Peter Kreutter vom Institute for Industrial Organization der WHU Vallendar. Das zeige die aktuelle Übernahme des schwedischen Dienstleisters WM Data durch die britische Logica CMG für 1,3 Mrd. Euro.

Nach Berechnungen des Branchendienstes Computerwire stieg die Zahl der Fusionen und Übernahmen in der IT-Service-Branche im ersten Halbjahr 2006 von 125 auf 157. „Ging es bei den Übernahmen in der Branche lange Zeit darum, zum Beispiel Know-how für bestimmte Industriesegmente zu gewinnen oder neue regionale Märkte zu erschließen, ist es jetzt ein reiner Verdrängungswettbewerb“, sagt Kreutter.

Unter Handlungsdruck stehen seiner Meinung nach mittlerweile selbst relativ große Anbieter wie etwa T-Systems oder Atos Origin. Die Telekom-Tochter schwächelte zuletzt, weil große Aufträge fehlten. Allerdings dürfte die Übernahme der VW-IT-Tochter Gedas wieder für Schwung sorgen. Dennoch fehlt es T-Systems im internationalen Vergleich an Größe. Ein weiterer Übernahmekandidat ist die Siemens-Tochter SBS, die derzeit saniert wird.

„Größe ist in diesem Geschäft zunehmend wichtig“, sagt Christophe Chalons vom IT-Berater und -Marktforscher Pierre Audoin Consultants in München. So rückt Logica durch den jüngsten Deal auf Platz sieben unter den westeuropäischen IT-Dienstleistern vor. Durch WM Data erhält das Unternehmen aber nicht nur Zugang zu wichtigen skandinavischen Kunden. Nach Ansicht von Chalons balancieren die Briten so auch ihr Produktangebot besser aus. „Logica ist vor allem stark im Projektgeschäft, WM Data ist sowohl im Projektgeschäft wie auch im Outsourcing gut positioniert“, sagte Chalons.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Situation beim Outsourcing ist dennoch schwierig.

Anbieter von IT-Dienstleistungen in Westeuropa nach Umsatz.Lupe

Anbieter von IT-Dienstleistungen in Westeuropa nach Umsatz.

Das Projektgeschäft, also etwa die Einführung von SAP-Software, ist konjunkturabhängig, dagegen liefert Outsourcing langfristig planbare Umsätze. „Als Dienstleister ist es immer gut, beides zu haben“, sagt Chalons. Derzeit zeige das Projektgeschäft wieder ein Wachstum von etwa fünf Prozent. „Aber auch im Outsourcing wird die Nachfrage wieder steigen“, sagte Chalons und verwies auf Aufträge wie die geplante Auslagerung von Desktop- und Netzwerkdiensten beim Versicherungsriesen Allianz oder das lang erwartete IT-Projekt „Herkules“ der Bundeswehr.

Dennoch bleibt die Situation schwierig. So fehlen vielen Dienstleistern nach wie vor große Outsourcing-Aufträge. Und Experten zweifeln auch daran, dass sich diese Situation wesentlich ändert. „Ich glaube zwar, dass es wieder mehr große Outsourcing-Deals geben wird, aber der Trend geht natürlich schon in Richtung selektives Outsourcing, also das Zerteilen eines großen Projektes in kleinere Scheiben“, sagt Chalons.

Hinzu kommt, dass viele Firmen ihre in der Regel auf fünf Jahre angelegten Outsourcing-Verträge neu verhandeln. So geht der Marktbeoachter TPI davon aus, dass noch in diesem und im kommenden Jahr weltweit 325 Aufträge auslaufen beziehungsweise neu verhandelt werden müssen. Dabei wird der Ton härter, wollen die Firmen doch ihre Kosten weiter senken. Das geht zu Lasten der Marge.

Kreutter von der WHU Vallendar fällt beim Blick auf die Dienstleister deshalb die Stahlbranche ein. „Man kann angesichts der Überkapazitäten durchaus die These formulieren: Die IT-Service-Branche ist die Stahlbranche des 21. Jahrhunderts“.

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