Die Branche der IT-Dienstleister steht vor einem gravierenden Wandel. Angesichts des steigenden Wettbewerbsdrucks werden die Unternehmen nach Ansicht von Experten stärker als bisher über neue Geschäftsmodelle nachdenken müssen. Dabei könnten Partnerschaften unter den Anbietern zu einem neuen Trend werden.
Die Aufgaben von Rechenzentren wie etwa das Datenbankmanagement übernehmen immer öfter externe Anbieter.
FRANKFURT. „Das Bilden von Allianzen wird einer von mehreren Trends in unserem Markt sein“, sagt Jörg Otto, Vice-President des IT-Dienstleisters Capgemini. Er hält eine Zusammenarbeit rivalisierender IT-Dienstleister in großen Projekten für möglich. Insbesondere in Großbritannien werde dieses Vorgehen bereits praktiziert.
Hintergrund ist die schwache Entwicklung im Geschäft mit der Auslagerung von IT-Aufgaben. „Nach unseren Erfahrungen wächst der Markt nichts so stark, wie die Marktanalysten das vorhersagen“, sagt Martin Baumann, Direktor für die Betriebs-Services Zentral- und Südeuropa beim IT-Dienstleister CSC.
Hinzu kommen Fehlentwicklungen im deutschen Markt. So betrachten die Unternehmen Outsourcing nach wie vor nicht als Möglichkeit, mit einem Partner eine innovative Informationstechnik aufzubauen. „Bislang haben wir hier eine klassische Kunden-Lieferanten-Beziehung, wobei versucht wird, den Lieferanten auszuquetschen. Das ist für Firmen und ihre Innovationskraft nicht ohne Risiko“, warnt Katharina Grimme vom Marktforscher Ovum.
Dem pflichtet Peter Kreutter von der WHU Otto Beisheim School of Management von der WHU bei. Es gehe beim Outsourcing noch viel zu stark um Kostensenkung. Kreutter: „Bei vielen Deals, die heute im Markt sind, geht es um ein Schwarzer-Peter-Spiel. Ich habe als Unternehmen 800 Mitarbeiter mit einem veralteten Know-how in der IT. Auf wen kann ich das Problem abwälzen? Das ist die zentrale Frage vieler Manager.“
Immer mehr Dienstleister erkennen aber mittlerweile, dass sie damit den Ast absägen, auf dem sie sitzen, zumal die Outsourcer selbst mit personellen Überkapazitäten kämpfen. „Die Anbieter können heute gar nicht mehr jeden Deal um jeden Preis annehmen. Die Outsourcer stehen unter einem derartigen Globalisierungsdruck, da schaut man beim jedem Deal sehr genau hin“, sagt Capgemini-Manager Otto und verweist unter anderem auf die wachsende Konkurrenz aus Indien.
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Gerade deshalb sind in den Augen von Ovum-Analystin Grimme neue Ansätze und Geschäftsmodelle dringender denn je: „Der Outsourcingmarkt wird zwar weiter wachsen, es ist in Deutschland auch noch kein reifer Markt. Aber er wird in einer anderen Form wachsen müssen, weil die Deals kleiner werden.“
Eine erste Stufe einer engeren Kooperation zwischen den Outsourcing-Firmen könnte die Weitergabe bestimmter Routineaufgaben an andere Dienstleister sein. „Unsere Branche wird eine ähnliche Entwicklung erleben, wie andere Industrien. Die Fertigungstiefe wird sich reduzieren“, glaubt Baumann von CSC. Gleichzeitig werden immer mehr der Routineaufgaben automatisiert. „Firmen wie IBM oder Hewlett-Packard arbeiten mit Hochdruck daran, durch Software-Tools Dinge wie das Prozess-, Applikations- und Systemmanagement immer weiter zu industrialisieren, also zu automatisieren“, sagt Otto.
Doch am Ende müssen die Dienstleister ihr Image als reine Kostenspar-Experten loswerden. „Sowohl auf Kunden- als auch auf Anbieterseite muss Outsourcing künftig stärker als strategische und langfristige Innovationspartnerschaft verstanden werden. Diese Entwicklung muss stärker von den Anbietern angetrieben werden“, schreibt Grimme IT-Spezialisten ins Stammbuch.
Nach Ansicht von CSC-Manager Baumann müssen dazu allerdings noch einige dicke Bretter gebohrt werden. „So lange es in den Unternehmen das Thema Altlasten gibt, werden die Kosten im Vordergrund stehen.“ Auch Kreutter von der WHU bleibt zurückhaltend. Schließlich werde die Zahl der Anbieter, die in der Lage sind, eine solche Partnerschaft tatsächlich umzusetzen, wegen der anhaltenden Konsolidierung immer kleiner.
„Und dann stehen die potenziellen Kunden sehr schnell vor der Frage: Kann ich mir eine solche strategische Partnerschaft mit dem Dienstleister XY überhaupt erlauben, wenn dieser vielleicht bereits gleichzeitig mit meinem engen Wettbewerber zusammenarbeitet“, beschreibt Kreutter das Dilemma.

