IT-Industrie
IT-Branche bleibt bisher von US-Abschwung verschont

Die IT-Industrie kann vorerst aufatmen: Laut einer neuen Umfrage des Marktforschungsunternehmens Gartner investieren die Firmenkunden trotz Finanzkrise und Abschwung der US-Wirtschaft weiter kräftig in ihre Hard- und Softwareausstattung. Auch SAP zeigt sich von den Konjunktursorgen unbeeindruckt – und bekräftigte seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr.

DÜSSELDORF. An den Märkten war zuletzt befürchtet worden, die Turbulenzen auf den Finanzmärkten könnten auch die IT-Branche belasten. Auslöser waren die Zahlen von Oracle für das erste Quartal, die die Prognosen der Analysten verfehlt hatten. Der wichtigste Konkurrent von SAP bei Anwendungen zur Unternehmenssteuerung verwies zur Begründung auf die Kaufzurückhaltung der Kunden angesichts der Finanzkrise. Der Aktienkurs des Unternehmens brach daraufhin ein und zog SAP mit nach unten.

Das Führungsduo von SAP, Henning Kagermann und Leo Apotheker, bestätigte aber die Ziele des Konzerns. 2008 will das Walldorfer Unternehmen die um Wechselkurs- und Einmaleffekte bereinigten Software- und softwarebezogenen Serviceerlöse um 24 bis 27 Prozent steigern. Im Vorjahr setzte SAP damit knapp 7,5 Mrd. Euro um.

Apotheker, der ab Mai 2009 den Konzern alleine führen wird, versprach zudem, die Umsatzrendite von derzeit 26,5 Prozent bis zum Jahr 2010 deutlich erhöhen zu wollen. Dazu seien unter anderem Kürzungen der Entwicklungskosten geplant. Die Börse nahm die Aussagen positiv auf. Die SAP-Aktie gehörte am Freitag zu den größten Gewinnern im Dax.

Auch Gartner zeigte sich optimistisch, dass die Hightech-Branche die Finanzkrise und deren Folgen glimpflich überstehen wird. Demnach planen die Firmenkunden der IT-Hersteller, ihre Ausgaben in diesem Jahr weltweit um 3,3 Prozent zu erhöhen. Das ist derselbe Wert wie in einer anderen Umfrage, die die Marktforscher vor etwa einem halben Jahr durchführten.

Selbst in den USA scheint die drohende Rezession die Unternehmen kaum dazu zu bewegen, weniger in ihre Hard- und Software-Ausstattung zu investieren. Gartner erwartet dort einen Zuwachs von 2,3 Prozent, einen knappen Prozentpunkt weniger als noch vor sechs Monaten. „Wir sehen eine gewisse Vorsicht, aber keine groß angelegten Kürzungen“, sagte Gartner-Analyst Mark McDonald in einer Telefonkonferenz. Die Marktforscher befragten zwischen Mitte Februar und Mitte März gut 1 000 Unternehmen, die Mehrzahl davon aus den USA.

Das schwächere Wachstum in den USA wird laut Gartner durch höhere Ausgaben in Europa und Asien ausgeglichen. Die europäischen Firmen planen, im Durchschnitt knapp vier Prozent mehr zu investieren, in Asien sogar sechs Prozent. Die Unternehmen betrachteten den Abschwung der US-Wirtschaft als lokal begrenztes Phänomen und stockten ihre Budgets weiter auf, sagte McDonald. Zudem zeige die Umfrage, dass die IT nicht mehr wie früher als einer der ersten Posten für Sparmaßnahmen angesehen würde.

Till Hoppe
Till Hoppe
Handelsblatt / Europa - Korrespondent in Brüssel
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