IT-Innovationen
Mit dem Automatentaxi zum Geldcomputer

Mitten in Ostwestfalen liegt eines der Technologiezentren Deutschlands. Rund um Paderborn haben gut 300 IT-Unternehmen ihren Sitz, darunter auch Wincor Nixdorf. Zukunftsweisende Projekte sollen nun den Status der Region langfristig sicherstellen.

PADERBORN. Ausgerechnet vor dem präsentesten aller IT-Produkte aus Ostwestfalen haben manche Menschen Angst. Denn wenn sie an einen Geldautomaten treten, wissen sie, dass ihr Gegenüber aus dem Hause Wincor Nixdorf ihnen schonungslos den eigenen Kontostand verrät. Diese Wahrheit ist zwar häufig unbequem - bequem ist dagegen der eingesparte Weg zum Kassenschalter. Der Geldcomputer von Wincor Nixdorf steht nun schon bald 30 Jahre in der IT-Landschaft und ist doch noch kein Stück fürs Museum. Und wenn, wäre es kein weiter Weg von der Quelle zum Archiv: Das Heinz-Nixdorf-Museumsforum in Paderborn zählt zu den bedeutenden Computermuseen der Welt.

Paderborn samt Umland ist mit etwa 300 Unternehmen und deren rund 10 000 Mitarbeitern einer großen IT-Standorte in Nordrhein-Westfalen - und ein traditionsreicher dazu. Schon 1959 siedelte sich der IT-Pionier Heinz Nixdorf mit seinem Unternehmen an. Heute ist Wincor Nixdorf der weltweit drittgrößte Anbieter von Geldautomaten und anderen IT-Lösungen für das Bankgeschäft. Das Unternehmen arbeitet mit 8 000 Mitarbeitern in über 90 Ländern und wächst schnell. Der Konzernumsatz legte im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2006/2007 um 15 Prozent zu.

Auch die Geschäfte anderer IT-Firmen aus der Region gehen derzeit gut. So stieg das Ergebnis der Gütersloher Firma Syskoplan 2006 vor Steuern und Zinsen gegenüber dem Jahr 2005 um 24 Prozent auf 4,6 Mill. Euro. Das Softwareunternehmen mit rund 400 Mitarbeitern baut derzeit in Deutschland ein Netzwerk von Firmen auf, die auf IT-Teilgebiete spezialisiert sind. Discovery Sysko ist eines von ihnen. Für die norwegische Rundfunkanstalt NRK entwickelt es derzeit ein Internetportal, das gegen eine Gebühr den Zugriff auf das ebenfalls von Discovery Sysko digitalisierte Archiv des Senders ermöglicht - auch per Handy. "Eine Lösung, die Modellcharakter hat", sagt der Syskoplan-Vorstandsvorsitzende Manfred Wassel, "denn die Syskoplan-Gruppe liefert aus einer Hand die Archivierung der Daten und bietet Handynutzern schon bald den mobilen Zugriff darauf."

Um die IT-Region voranzubringen, soll künftig das Wissen der Hochschulen in Paderborn besser genutzt werden. Auf der geplanten "Zukunftsmeile Fürstenallee", so die Idee, können sich in unmittelbarer Nachbarschaft Technologie- und IT-Unternehmen ansiedeln und enger als bislang zusammenarbeiten. Doch noch ist die Zukunftsmeile Zukunftsmusik. "Ich sehe sie heute noch als einen virtuellen Verband, wir können ja nicht warten bis alle Gebäude stehen", sagt Andreas Keil, Geschäftsführer des ostwestfälischen IT-Verbunds Innozent OWL, einer von sechs Gesellschaftern des Projekts. Wann der erste Spatenstich erfolgt, steht derzeit noch in den Sternen. Landespolitik, Unternehmen, die Stadt Paderborn und die Universität haben sich zur Zukunftsmeile Fürstenallee bekannt. "Wir müssen jetzt gucken, welche Projekte in die Förderlandschaft passen", sagt Andreas Keil.

Vorstellen könnte er sich das computergesteuerte Schienentaxi Railcab, das von Projektleiter Joachim Lückel, Professor an der Universität Paderborn, entwickelt wird. Die fahrerlosen Kabinen sollen auf Abruf Passagiere und Fracht abholen und ohne Zwischenstopps und Umsteigen transportieren. Nach zehn Jahren Forschung wäre das Projekt jetzt so weit, von der 600 Meter langen Teststrecke in die Realität zu wechseln.

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