IT-Sicherheit
Neues-Spähprogramm lässt an Datenwolke zweifeln

Die jüngsten Enthüllungen über eine tiefgreifende Überwachung der Netze von Google und Yahoo stellt die Sicherheit von Internet-Speicherdiensten („Cloud“) und Googles Smartphone-Systems Android grundsätzlich in Frage.
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Mountain View/BerlinDie Daten-Schnüffeleien der anglo-amerikanischen Geheimdienste haben offensichtlich noch größere Dimensionen als bislang gedacht. Sollten die jüngsten Enthüllungen des ehemaligen Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden der Realität entsprechen, fangen der US-Dienst NSA und sein britischer Partner GCHQ mit ihrem Projekt „Muscular“ jeden Tag Millionen Daten aus den internen Netzen von Google und Yahoo ab.

Dass die Sicherheitsbehörden sich einen Zugang zu den Inhalten und Metadaten auf den Servern von Google und Yahoo über geheime gerichtliche Verfügungen verschaffen können, hatte Snowden bereits im Frühsommer enthüllt. Auch der gigantische geheime Datenstaubsauger „Tempora“, mit dem die Briten transatlantische Glasfaserkabel ausspionieren, wurde durch die Snowden-Papiere öffentlich.

Nicht bekannt war bislang, dass sich die Dienste NSA und GCHQ offenbar zusätzlich einen direkten Zugriff auf Datenleitungen zwischen den Rechenzentren von Google und Yahoo verschafft haben, um ihren Datenhunger zu stillen. Das behauptet zumindest die „Washington Post“ und beruft sich dabei auf Unterlagen von Snowden.

NSA-Chef Keith Alexander setzte kurz nach Bekanntwerden des Berichts ein eng formuliertes Dementi ab: „Wir haben keinen Zugang zu Google-Servern, Yahoo-Servern und so weiter.“ Dies lässt offen, ob die NSA nicht mit Hilfe des britischen Dienstes GCHQ aktiv ist - oder eben nur Leitungen und nicht die Server angegriffen werden. Da der Einbruch durch die Hintertür ohne richterliche Genehmigung auf amerikanischem Boden ohnehin illegal wäre, liegt die Vermutung nahe, dass die Dienste diese Angriffe im Ausland vorgenommen haben.

Google und Yahoo betreiben rund um den Globus gewaltige Rechenzentren, die mit Glasfaserkabeln verbunden sind. Diese Leitungen wurden laut Snowdens Papieren angezapft und ermöglichten den Schlapphüten den vollen Zugriff. Bei Google könnten davon nicht nur der E-Mail-Service GMail betroffen sein, sondern sämtliche Cloud-Dienste - etwa Google Docs, online gesicherte Fotos, die mit einem Google-Konto verbundene Such-Historie oder die von Google Maps ermittelten Orte und Routen.

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  • Ich habe den Hype im die Clauds nie verstanden. Welches Unternehmen wird denn seine Daten in eine Claud stellen in der Hoffnung, dass diese ausgerechnet nicht geknackt wird, wo Hacker inzwischen in die IT Systeme des Pentagon ein- und ausmarschieren als wären sie dort zu Hause. Und wenn Privatmenschen ihre Urlaubsfotos dort ablegen soll das wohl in Ordnung sein aber bei anderen privaten Daten würde ich die Finge weg lassen. Wobei Hacker und NSA gleich zu setzen sind, denn Beide sind Verbrecher.

  • Also ich mag die Clouds. Gerade bei Yahoo kann ich dort sicher meine Daten speichern, es kostet nichts und selbst ein Neuaufsetzen von meinem Rechner zerstört die Daten nicht.

    Dass sie NSA, BND u.s.w. liest weiß ich und sollen die doch ihren Spaß daran haben, wenn sie meine Passwörter oder emails lesen. Die wissen eh um alles, was auf meinem PC läuft und wenn sie es in der cloud lesen, haben sie es eben 2 mal gelesen.

    Auch meine Kontodaten sind ja bekannt lich kein Geheimnis. Seit vielen Jahren gibt es hier in Deutschland kein Bankgeheimnis mehr und so kann seit dem (Echten) Bundestrojaner jede Putzfrau von der AOK sich über meine Bankbewegungen informieren.

    Was also soll der ganze Rummel ?
    Ich bin jedenfalls noch nicht so größenwahnsinnig und denke, dass NSA wirklich ein Interesse an mir hat.
    [...]

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Wer hat's erfunden? Die NSA (nicht Ricola)

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