Jahresbilanz des Samsung-Rivalen
Selbst Spider-Man kann Sony nicht helfen

Sony enttäuscht wieder einmal: Der Elektronikhersteller macht weiter Verluste, auch der Ausblick fürs laufende Jahr ist überraschend schwach. Da hilft auch ein Superheld in den eigenen Reihen nur bedingt.
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DüsseldorfIm neuen „Spider-Man“-Film schwingt sich Peter Parker im Spinnenkostüm durch die steilen Straßenschluchten von New York, um die Metropole vor vielen Kleinkriminellen und dem Oberschurken Electro zu retten. In der Zentrale von Sony, das den Blockbuster produzieren lassen hat, wünschen sie sich derzeit vermutlich selbst so einen Superhelden: Der Umbau des kriselnden Elektronikkonzerns kommt nur langsam voran und kostet mehr als gedacht. Nach einem erwarteten Verlust im abgelaufenen Geschäftsjahr kündigte er am Mittwoch überraschend ein weiteres Minus an.

Die Zahlen sind für den Konzernchef Kazuo Hirai, der schon mehrfach die Prognose kassieren musste, eine weitere herbe Enttäuschung. Der Umsatz stieg zwar um 14,3 Prozent auf 7,77 Billionen Yen (54,8 Mrd. Euro am Stichtag 31. März), das Plus resultierte aber größtenteils aus Währungseffekten: Bei konstanten Kursen wäre der Erlös um 2 Prozent gesunken. Der operative Gewinn sank um fast 90 Prozent auf 26,5 Milliarden Yen (187 Millionen Euro), unterm Strich steht ein Verlust von 128,4 Milliarden Yen (903 Millionen Euro) – der sechste in sieben Jahren.

Ähnliche wie für Spider-Man in den Straßen von New York gibt es auch für den Sony-Chef viele Einsatzgebiete, in denen er gleichzeitig gefragt ist. Der einstige Trendsetter hat etliche Trends verschlafen, nun bröckelt sein Geschäft weg. So schreibt die TV-Sparte tiefrote Zahlen – Hirai will es in eine Tochtergesellschaft ausgliedern und sanieren. Die PC-Sparte, die sich mit den Vaio-Computern einen Namen gemacht hat, wird verkauft. Und im umkämpften Markt für Smartphones und Tablets muss der Manager ein Rezept finden, um die Käufer von Apple, Samsung und Co wegzulocken. Immerhin: Die Finanzsparte wie auch die Film- und Musikproduktion stützen das Geschäft.

Der Umbau ist jedoch teuer. Allein für den Verkauf der PC-Sparte veranschlagt der Konzern im laufenden Geschäftsjahr einen Verlust von 36 Milliarden Yen, insgesamt soll ein Minus von 50 Milliarden Yen (352 Millionen Euro) auflaufen, bei praktisch stagnierendem Umsatz. Analysten sind nach einer Analyse der Nachrichtenagentur Bloomberg von einem ähnlich hohen Plus ausgegangen – Sony wird die Erwartungen also ein weiteres Mal enttäuschen müssen.

Das erklärt, warum sich die Führungsetage nicht mehr vor radikalen Einschnitten scheut. Weitere 5000 Jobs will sie streichen, auch ganze Geschäftsfelder stehen dieses Mal zur Disposition: „In den vergangenen Jahren fand die Restrukturierung zumeist innerhalb von Geschäftseinheiten und in der Produktion statt“, sagte Finanzchef Kenichiro Yoshida. „Dieses Mal ist der Unterschied, dass wir uns vollständig aus Geschäften verabschieden.“

Die größte Baustelle ist die Unterhaltungselektronik mit dem schwächelnden TV-Geschäft: Sony leidet unter dem brutalen Preiskampf in der Branche. Der Umsatz stieg zwar um 30 Prozent, trotzdem schrieb die Sparte einen Verlust von 25,7 Milliarden Yen (181 Millionen Euro). Die neue Ultra-HD-Technologie, die noch bessere Bilder verspricht, ist angesichts hoher Gerätepreise und weniger passender Inhalte derzeit nur etwas für Geeks mit viel Geld. Was mit dem TV-Geschäft nach der Ausgliederung geschieht, ist unklar. Nach einem Jahrzehnt der Verluste geht den Investoren die Geduld aus.

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Computerspiele und Smartphones als Zukunft?

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