Jamba geht an Verisign
Das bunte Reich der Samwers

Die New-Economy-Stars verkaufen zum zweiten Mal ihr Unternehmen.

Würde jemand einen Film über Alexander, Marc und Oliver Samwer drehen, es würde wohl ein Flop: keine Tiefen, nur Höhen, alles schön, bunt, erfolgreich.

„Wir sind halt immer für eine Überraschung gut“, sagt Oliver Samwer und ihm ist die Freude anzumerken, dass es ihm und seinen Brüdern Marc und Alexander wieder gelungen ist, einen Coup zu landen: Für 273 Mill. $ verkauften sie ihre Jamba AG an den US-Konzern Verisign.

Jamba ist die zweite Firmengründung der Brüder – und die zweite, die sie versilbern. Die Samwers – alle ausgestattet mit Lebensläufen, die Personalchefs auf die Knie fallen lassen vor Begeisterung – gehören zu den Stars der deutschen New Economy. In kürzester Zeit bauten sie das Online-Auktionshaus Alando auf und verkauften es 1999 an Ebay.

Ein Jahr später gründeten sie Jamba, ein Anbieter von Schnickschnack für Handy-Süchtige, vom Klingelton bis zum Spiel. Das Wachstum soll rasant sein, 100 % waren es in den vergangenen beiden Jahren, 2003 lag der Umsatz laut Verisign zwischen 33 und 37 Mill. Euro. Doch allein im zweiten Halbjahr 2004 sollen es über 55 Mill. werden, und das bei schwarzen Zahlen.

Die Übernahme dürfte auch die Altgesellschafter freuen. Debitel, Electronic Partner und Media-Saturn waren die ersten Geldgeber der Samwers. Hinter den Kulissen wurde aber gemunkelt, man sei nicht immer glücklich mit den Berliner Wirbelwinden, deren üppiges Ego mit der konzernüblichen Behäbigkeit kollidierte. Schon im September 2003 hatten die Anteilseigner Teile verkauft, damals stieg die Private-Equity-Gesellschaft Summit Partners bei Jamba ein.

„Dadurch bekamen wir schlagartig mehr Aufmerksamkeit. Mehrere Firmen aus den USA und Europa sprachen uns an“, erzählt Oliver Samwer. „Als Berliner Start-up kann man nicht erfolgreich mit Hollywood-Studios verhandeln“, sagt Samwer. Der Verkauf soll die Auslandsexpansion sichern und geschehe nicht aus der Not. Dafür spricht, dass Jambas flüssige Mittel bei rund 16 Mill. Euro liegen.

Die Altgesellschafter werden für ihr Durchhalten belohnt: Bei Anteilen zwischen fünf und 15 Prozent dürften sie ein Plus in der Kasse bleiben – auch wenn der Kaufpreis zu 65 Prozent in bar und ansonsten in Verisign-Aktien gezahlt wird. Die Brüder selbst dürften noch zwischen 25 und 49 Prozent der Jamba- Anteile besitzen und somit wie einst bei Alando ein üppiges Sümmchen einstreichen. Und so bleibt es weiter schön, bunt und erfolgreich, das Reich der Samwers. Ach ja: und reich.

Thomas Knüwer
Thomas Knüwer
Handelsblatt / Reporter
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