Japan
Chip-Geschäft treibt Toshiba in die Verlustzone

Toshiba hat für das Halbjahr bis Ende September einen Verlust von derzeit umgerechnet 320 Mill. Euro angekündigt. Als Grund nannte das Unternehmen fallende Preise für Mikrochips. Bisher hat der japanische Mischkonzern mit einem Nettogewinn von knapp 100 Mill. Euro für das Halbjahr gerechnet. Auch Toshibas boomende Kraftwerkssparte kann die Probleme bei den Halbleitern nicht ausgleichen.

TOKIO. In der Zeit von April bis Juni sanken die Marktpreise für Nand-Speicher um ein Fünftel. Toshiba ist ist nach dem südkoreanischen Rivalen Samsung der zweitgrößte Hersteller von Nand-Speicher, die bevozugt in MP3-Playern, USB-Sticks, Digitalkameras oder mittlerweile auch als Festplattenersatz in Laptops eingesetzt werden. "Weil die Rahmenbedingungen schwer bleiben, wird sich der Gewinn nicht kurzfristig erholen", warnte Vorstandsmitglied Fumio Muraoka. Für das Gesamtjahr rechnet er jedoch weiterhin mit einem Plus.

Die Bedeutung der Chipsparte für Toshiba ist nicht zu unterschützen. Anfang des Jahrtausends hat ein Abschwung des Halbleitermarktes den Konzern für ein Jahr ins Minus gerissen. "Die Auswirkungen des Nand-Geschäfts sind riesig, da das Unternehmen den Großteil seiner Investitionen dort hinein gesteckt hat", sagte Analyst Fujio Ando von Chibagin Asset Management. "Abgesehen von Solarzellen, Flachbild-Fernsehern und Blu-ray-Discs gibt es kein Wachstumsfeld im Bereich digitaler Produkte."

Und es droht weiterer Ungemach: Toshiba kooperiert in Produktion und Entwicklung von Nand-Speichern mit dem US-Spezialanbieter Sandisk. Diesen greift Samsung jedoch mit einem feindlichen Übernahmeversuch an, nachdem der branchenweite Preisverfall Sandisk tief ins Minus getrieben hat. Toshiba gilt als möglicher Gegenbieter, als "Weißer Ritter", hat sich bislang aber noch nicht zu seinen Plänen geäußert.

Die Halbleiterbranche kämpft mit schlechten Geschäftsbedingungen. Der Absatz läuft traditionell zyklisch: Auf Perioden hoher Nachfrage folgen schwierige Zeiten, in denen sich die Läger füllen und die Preise fallen. Eine solche Phase hat vor etwa einem Jahr begonnen. Der japanische Hersteller Elpida kündigte an, die Produktion in seinem Werk im Hiroshima um zehn Prozent zu drosseln. "Wir rechnen mit eine Markterholung im Quartal von Januar bis März 2009", sagte Elpida-Präsident Yukio Sakamoto.

Analysten fürchten, das Ende des Durchhängers sei angesichts des globalen Wirtschaftsabschwungs nicht absehbar. Halbleiterhersteller stehen wegen der Preisverfalls für Elektroprodukte ständig unter Kostendruck und müssen in guten Zeiten die Kosten durch Massenproduktion drücken. Geht die Nachfrage zurück, sitzen die Herstellerfirmen dann in schlechten Zeiten auf großen Überkapazitäten.

Das Geschäftsjahr läuft in Japan von April bis März. Im Vorjahr hatte Toshiba von April bis September einen Gewinn von knapp 300 Mrd. Yen erzielt. Die Prognose fürs Gesamtjahr 2008 wurde jetzt um 45 Prozent auf 70 Mrd. Yen (450 Mill. Euro) herunter korrigiert. Toshiba stellt nicht nur Chips her, sondern alles, von Haushaltsgeräten über Fernseher bis zu Kernkraftwerken. Das hilft, den Abschwung in der Chipsparte auszugleichen. Allerdings nicht ganz. Während die Kraftwerkssparte volle Auftragsbücher hat, stagniert das Geschäft mit Fernsehern und Waschmaschinen - die Kunden im Heimatmarkt Japan warten ab, wie sich ihr Einkommen entwickelt. Derzeit steigen die Preise bei gleich bleibenden Löhnen und die schlechten Wirtschaftsnachrichten verunsichern zusätzlich.

Im Januar hatte Toshibas HD-DVD-Format zudem den Kampf um das Videoformat der Zukunft gegen Sonys Blu-Ray verloren, was hohe Abschreibungen ausgelöst hatte. HD-DVD war der größte Hoffnungsträger der Unterhaltungs-Sparte.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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