Japan und der Toshiba-Skandal
Wenn es stinkt, muss ein Deckel drauf

Ein Bilanzskandal erschüttert Japan: Jahrelang hat Toshiba die Bücher frisiert. Der Gewinn wurde um 1,1 Milliarden Euro geschönt. Können Aktionäre dem Finanzplatz noch trauen? Nein – und Ja, meint unser Korrespondent.
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Tokio„Ich halte dies für den schädlichsten Vorfall in der 140-jährigen Geschichte unseres Unternehmens“, sagt Hisao Tanaka – und tritt ab. Der Vorstandschef von Toshiba zieht damit die Konsequenzen aus dem umfangreichen Bilanzskandal des Elektronikriesen. Seit 2008 hat der Konzern den operativen Gewinn um insgesamt umgerechnet 1,1 Milliarden Euro schön gerechnet, zeigt eine am Montag veröffentlichte Studie. Tanaka und seine Vorgänger sollen davon gewusst haben.

Wie konnte es dazu kommen? Sind japanische Unternehmen anfällig für derartige Bilanzfälschungen, ist es gar ein Fehler im System? Was für Aktionäre gegen den Finanzplatz Japan spricht – und warum sie vielleicht doch dort investieren sollte: ein Pro und Contra unseres Japan-Korrespondenten.

Contra Japan: Widerspruch wird unterdrückt

In Sachen Transparenz haben Japans Firmen noch einen Rückstand zu den globalen Benchmarks. Die Unternehmen setzen traditionell mehr auf einen Stakeholder-Ansatz und gewichten daher die Interessen der Aktionäre im Zweifel niedriger. Damit verbunden ist das fehlende Verständnis in weiten Kreisen der Bevölkerung dafür, dass Firmen im alleinigen Besitz der Aktionäre sind und daher im Sinne der Eigner agieren sollten.

Noch wichtiger ist die gruppenorientierte Firmenkultur, die offenen Widerspruch unterdrückt. Selbst in vielen Vorständen wird wenig kontrovers und strategisch diskutiert. Stattdessen werden Beschlussvorlagen der Managementbereiche abgenickt. Auch firmenfremde Direktoren haben das nicht unbedingt geändert, da die Unternehmen oft Freunde aussuchen.

Diese Kultur des „Managements hinter verschlossenen Türen“ kann wie bei Toshiba dazu führen, dass Probleme, die dem Ruf der Firma schaden könnten, vertuscht werden – frei nach dem japanischen Sprichwort: Wenn es stinkt, muss ein Deckel drauf.

Viele Firmen tun sich schwer mit radikalen Schnitten, schleppen aus der Sicht von Aktionären zu lange kriselnde Sparten mit sich herum und werfen daher im Vergleich zu westlichen Konzernen geringere Renditen ab.

Achja, und dann sind da noch die hohe Verschuldung und die Anleihekäufe der Bank von Japan. Das kann in den Augen von deutschen Investoren nicht gut gehen, weshalb sie sich auch nie in den Boom der japanischen Aktien nach dem Amtsantritt von Shinzo Abe im Dezember 2012 eingekauft haben.

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Pro Japan: Höhere Renditen in Sicht

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