Japanischer Chiphersteller tritt gegen Infineon an
Renesas will mehr Aufträge von BenQ

Die Übernahme der Handysparte von Siemens durch den Taiwaner Elektronikproduzenten BenQ heizt den Wettbewerb auf dem Chipmarkt an.

HB MÜNCHEN. Der japanische Halbleiteranbieter Renesas will sein Geschäft mit BenQ künftig ausbauen. „BenQ ist ein guter Kunde von uns, und wir hoffen in unserem eigenen Interesse, dass sie mit dieser Akquisition Erfolg haben“, sagte Renesas-Chef Satoru Ito dem Handelsblatt.

Bislang war Infineon der wichtigste Chiplieferant für Siemens-Handys. Vor zwei Wochen kündigte BenQ jedoch an, das hoch defizitäre Geschäft des Münchener Technologiekonzerns zu übernehmen. Damit steigt BenQ zu einem der größten Handyhersteller der Welt auf. Deshalb hoffen nun auch andere Halbleiterfirmen, stärker zum Zug zu kommen. Allerdings rechnet Ito nicht damit, Infineon als wichtigsten Lieferanten schnell abzulösen: „Wir werden sie nicht morgen ersetzen, aber wir sind dran“, betonte der Chef des drittgrößten Halbleiterproduzenten der Welt.

Renesas ist auf neue Umsätze außerhalb Japans angewiesen, denn das Geschäft auf dem Heimatmarkt stockt. „Die Kunden in Japan sind momentan sehr zurückhaltend“, unterstrich Ito. Renesas ist der größte Halbleiterproduzent der Insel und entstand vor zwei Jahren, als Hitachi und Mitsubishi Electric große Teile ihres Halbleitergeschäft zusammen legten.

Im ersten Quartal 2005 ist weltweit kein Chipkonzern so stark gewachsen wie Renesas. Der Konzern verbuchte laut den Marktforschern von I-Suppli ein Umsatzplus von zehn Prozent auf knapp 2,5 Mrd. Dollar. Trotz des guten Geschäfts rechnet Konzernchef Ito mit einem schwierigen Jahr: „Es sieht nicht besonders gut aus. Dem Markt fehlt der breite Aufwärtstrend, wie wir ihn vergangenes Jahr hatten.“ Vor allem in der für Renesas wichtigen Unterhaltungselektronik sei der Preisdruck groß. Es werde deshalb schwierig, in den schwarzen Zahlen zu bleiben.

Renesas ist nicht der einzige Chipkonzern, der sich Hoffnungen auf Aufträge von BenQ macht. Auch Carlo Bozotti, der neue Chef von ST Microelectronics (STM), will nach dem Kauf der Siemens-Sparte bei den Taiwanern punkten. „Immer mehr unserer europäischen Kunden gehen nach Asien. Da müssen wir dabei sein“, sagte Bozotti dem Handelsblatt. Wichtigster Mobilfunkkunde von STM ist seit vielen Jahren Weltmarktführer Nokia.

Da die Chipfirmen sich auf ganz unterschiedliche Bereiche spezialisiert haben, stecken in den Handys mitunter Halbleiter vieler verschiedener Hersteller. Insofern können sich auch unterschiedliche Produzenten berechtigte Hoffnungen auf Aufträge von BenQ machen.

Allerdings ist es für Renesas nicht einfach, im Ausland mit Handychips zu punkten. Da die japanischen Mobilfunkanbieter ihre eigenen Standards haben, muss Renesas für die Märkte außerhalb des Landes jeweils ganz andere Chips entwickeln. Deshalb ist die Position in dem in Europa dominierenden GSM-Standard noch verhältnismäßig schwach.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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