Japanischer Internethändler
Rakuten will Amazon die Weltmarktführerschaft streitig machen

Hiroshi Mikitani greift mit seiner japanischen Verkaufsplattform Rakuten Konkurrent Amazon an. Dazu braucht er Standorte in Europa und Amerika - die Entwicklung des starken Yen kommt da gerade recht.
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TokioEr ist anders als seine Kollegen in den Chefsesseln. Deshalb war es nur eine Frage der Zeit, wann er sich von ihnen lossagen würde. Nach der Natur- und Atomkatastrophe vom 11. März trat Hiroshi Mikitani nicht nur aus der mächtigen japanischen Wirtschaftsvereinigung Keidanren aus, weil er deren Atomenergie-Lobbyismus nicht mehr ertragen konnte.

Jetzt fällt er ihnen auch noch in den Rücken, weil er sich über den Yen-Höhenflug freut. „Ich finde das gut“, sagt Mikitani, Chef von Rakuten, Japans größtem Internethandelshaus. „So können wir mehr Unternehmen kaufen.“

Mikitanis Worte sind provokant, aber konsequent. Denn während der starke Yen den exportorientierten Konzernen im Land, vor allem der Auto- und Elektroindustrie, Probleme bereitet, weil ihre Produkte im Ausland immer teurer werden, kommt die Entwicklung Mikitanis Plänen gerade recht. Er will wachsen und braucht Standorte in Europa und Amerika, um seinem Ziel näher zu kommen, Amazon die Weltmarktführerschaft streitig zu machen. Schritt für Schritt kauft er sich deshalb zurzeit dank des starken Yens günstig in fremde Länder ein. Auch in Deutschland hat Rakuten seit kurzem ein Standbein. Sein Unternehmen erwarb 80 Prozent der Bamberger Firma Tradoria.

Englischkenntnisse sind Pflicht

Der 46-jährige Harvard-Absolvent ist einer der wenigen echten Globalisierer in einem Land, in dem selbst in Großkonzernen wie Toyota oder Panasonic die Chefetagen noch immer rein japanisch besetzt und Fremdsprachen bis heute gefürchtet sind. Mikitani dagegen hat festgelegt, dass die Unternehmenssprache am Firmensitz in Tokio ab 2012 Englisch sein soll. Einen ähnlich radikalen Wandel verfolgt in Japan nur noch der Konzern Fast Retailing mit seinem Flaggschiff „Uniqlo“, der Antwort Japans auf die Billigmodenfirma H&M.

Mikitani allerdings ist der härteste Reformer. „Manager, die nicht innerhalb von zwei Jahren Englisch lernen können, werden gefeuert“, sagte er in einem Interview. Derart klare Worte machen ihn nicht gerade zum Liebling der auf Konsens ausgerichteten japanischen Wirtschaftswelt. Während der Keidanren, vergleichbar mit dem BDI in Deutschland, ihn wegen seines Austritts anfeindet, brachte ihm sein sprachlicher Internationalisierungskurs gleich Kritik im Internet ein, wo sein Englisch kleinlich nach Fehlern durchsucht wurde.

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