„Jenke-Experiment“

Medienwächter überprüfen Drogen-Selbstversuch bei RTL

Jenke von Wilmsdorff mag Diskussionen um seine Sendungen. Auch sein neuester Selbsterfahrungstrip sorgt für Gesprächsstoff. Zum zweiten Mal testete der RTL-Reporter im TV die Wirkung von Drogen an sich selbst.
Der 50-jährige RTL-Reporter hatte in einer Reportage Drogen genommen, um ihre Wirkung zu testen. Quelle: dpa
Jenke von Wilmsdorff

Der 50-jährige RTL-Reporter hatte in einer Reportage Drogen genommen, um ihre Wirkung zu testen.

(Foto: dpa)

Hannover/KölnNach dem Drogen-Selbstversuch von RTL-Reporter Jenke von Wilmsdorff vom Montagabend wird die deutsche Medienaufsicht aktiv. „Wir prüfen, ob es einen Anfangsverdacht gibt, dass die Ausstrahlung jugendgefährdend gewesen ist“, sagte eine Sprecherin der für den Kölner Sender zuständigen Niedersächsischen Landesmedienanstalt in Hannover der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag. Beschwerden seien bisher aber keine eingegangen.

RTL steht zum „Jenke-Experiment“: „Wir dokumentieren das Thema, anstatt es zu tabuisieren“, entgegnete eine RTL-Sprecherin. „Drogenkonsum wird nicht verherrlicht, sondern eingeordnet, um vor den zerstörerischen Konsequenzen zu warnen.“ Der 50-jährige RTL-Reporter hatte in einer Reportage Drogen genommen, um ihre Wirkung zu testen – unter anderem Ecstasy, Ritalin, K.O.-Tropfen und Speed, außerdem in Portugal LSD.

„Wir setzen uns mit dem Thema Drogensucht auseinander, weil es in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen und damit höchst relevant ist“, hieß es von RTL. „Dazu gehört die dokumentarische Darstellung des Missbrauchs und auch die berauschende Wirkung der Drogen, die ja die Sucht erst auslöst.“

Wie aus Hanf ein Medikament wird
Cannabis
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Im Auftrag des Herstellers Bionorica züchtet die österreichische Staatsagentur AGES am Stadtrand von Wien die Hanfpflanzen. Gut sechs Monate dauert der Anbauzyklus. Von der Farbe der Pflanzentöpfe bis zu einer speziellen Reflexion des Lichtes ist bei der Züchtung alles durchoptimiert. Die Hanfblüten gedeihen am besten, wenn die Lichtzeiten kurz sind.

Bionorica
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Am Firmensitz in Neumarkt/Oberpfalz verarbeitet der Hersteller Bionorica die Hanfblüten weiter. Der Tresorraum, in dem die Blüten zunächst lagern, ist durch eine schwere Stahltür, Kameras, Bewegungsmelder und Erschütterungssensoren gesichert. Die Medikamenten-Entwickler von Bionorica interessieren insbesondere die feinen Drüsenhärchen der Hanfblüten – in ihnen ist der entscheidende Wirkstoff Tetrahydrocannabinol, kurz Thc, enthalten.

Chemische Reaktionsverfahren
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Die getrockneten Hanfblüten werden in großen, stählernen Zylinderkesseln mit Lösungsmitteln versetzt. Bionorica nutzt nun die ganze Bandbreite der chemischen Reaktionsverfahren: Destillieren, Kondensieren, Kühlen, Verdampfen, Erhitzen. Ein Chromatograph trennt das Thc von anderen Bestandteilen; das verbliebene wird auf 60 bis 70 Grad erhitzt. Die Abläufe werden so lange wiederholt, bis der Laborleiter mit dem Wirkstoffgehalt zufrieden ist.

Flüssigkeit
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Eine bernsteinfarbene Flüssigkeit ist entstanden. Der Thc-Anteil liegt nun bei über 97 Prozent.

Spritzen
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Der entstandene Wirkstoff wird auf Spritzen gezogen. Wie viele Hanfblüten nötig sind, um eine Dosis herzustellen, verrät Bionorica leider nicht.

Kein Fertigarzneimittel
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Bis zur Auslieferung an die Apotheken lagern der Stoff im Tresorraum. Allerdings ist Dronabinol nicht als Fertigarzneimittel zugelassen. Das heißt: Vor Ort müssen die Apotheker das Medikament noch zusammenmischen – sie kombinieren dabei die Substanz aus der Spritze mit einem speziellen Lösungsmittel. Das fertige Medikament Dronabinol nutzen in Deutschland derzeit etwa 600 bis 700 Patienten

Ein Sprecher der Kölner Staatsanwaltschaft sagte auf Anfrage, sobald der Anfangsverdacht einer Straftat vorliege, sei man von Amtswegen verpflichtet, aktiv zu werden. Erstmal müsse aber geprüft werden, was in der Sendung am Montag passiert sei.

Für Reporter von Wilmsdorff, der in Selbstversuchen bereits über Themen wie Leben mit Behinderung, Altern, Tod oder Alkohol behandelte, war dies nach März 2014 die zweite Auseinandersetzung mit Drogen – und das völlig gesetzeskonform, wie RTL meint.

„Präventionsarbeit erfordert realistische Darstellung“
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