Jim Hagemann Snabe
SAP-Vorstand wirft alter Führung Versäumnisse vor

SAP-Co-Chef Snabe wirft der alten Konzernführung vor, den Kunden aus dem Auge verloren zu haben. Das Unternehmen sei vielleicht sogar arrogant geworden, Bürokratie und Hierarchien hätten die Mitarbeiter gehemmt. Snabe bot dem Konzern des Ex-Chefs Léo Apotheker aber auch eine engere Zusammenarbeit an.
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BERLIN/WALLDORF. SAP-Co-Chef Jim Hagemann Snabe hat Kritik an der früheren Konzernführung geübt und damit den neuen Hewlett-Packard-Chef angegriffen. "Irgendwann haben wir den Kunden etwas aus den Augen verloren. Wir dachten, wir kennen alle Probleme und haben dafür Lösungen entwickelt - auch am Kunden vorbei. Aber das hat sich jetzt geändert", sagte Snabe der "Süddeutschen Zeitung". In der Vergangenheit sei SAP "vielleicht sogar mal" arrogant gewesen, räumte Snabe ein.

Weiter bot er Hewlett-Packard (HP) eine engere Zusammenarbeit an. "HP ist ein langjähriger guter Partner von uns, und wir sind offen dafür, diese Zusammenarbeit auszubauen", sagte Snabe weiter. "Zumal HP gerade Palm übernommen hat und ebenfalls auf mobile Lösungen setzt." Gerüchte, HP könnte SAP übernehmen, seien dagegen reine Spekulation.

Snabe rechnet trotz einer Milliarden-Entschädigungszahlung an den Erzrivalen Oracle, zu der ein Gericht in den USA die Walldorfer im November verurteilt hat, nicht mit negativen Auswirkungen aufs Geschäft. "Die möglichen Folgen des Rechtsstreits können wir gut finanzieren. Wir ändern deshalb nicht unsere Strategie und nicht unsere Prioritäten", sagte Snabe. "Ich habe auch keine Angst, dass wir Marktanteile in den USA verlieren. Wir arbeiten für unsere Kunden und nicht gegen unsere Wettbewerber."

Ob SAP gegen das Urteil vorgehen werde, ließ Snabe offen. Noch gebe es keinen abschließenden Richterspruch. "Erst danach werden wir über weitere Schritte entscheiden." Der Prozess sei zu einem großen Kampf der Wettbewerber hoch stilisiert worden. "Mein Eindruck ist: Die Kunden haben das ganze Theater inzwischen satt." Mitarbeiter der Software-Wartungsfirma TomorrowNow hatten nach dem Kauf des Unternehmens durch SAP 2005 in großem Stil unrechtmäßig Updates bei Oracle heruntergeladen.

Snabe steht zusammen mit Bill McDermott seit Februar an der Spitze des Unternehmens. Sie lösten Léo Apotheker ab, der mittlerweile Chef des Oracle-Konkurrenten HP ist. SAP habe die Kunden irgendwann etwas aus den Augen verloren und auch Lösungen an deren Bedürfnissen vorbei entwickelt, sagte Snabe. "Aber das hat sich jetzt geändert, der Kunde steht wieder klar an erster Stelle."

"Wir sind vor allem schneller geworden. Wir haben die Struktur verbessert, Bürokratie und Hierarchien abgebaut und den Mitarbeitern wieder mehr Verantwortung gegeben", sagte Snabe. Derzeit befinde sich der Konzern in einer Übergangsphase. "Ein Unternehmen mit etwa 50 000 Mitarbeitern funktioniert nicht von heute auf morgen anders. Viele Mitarbeiter leben noch in zwei Welten, in der alten und in der neuen.

Mit Material von dpa

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